ALLES NIX KONKRETES“

-Annenmaykantereit in Osnabrück 21.02.2017-

Vor der Osnabrückhalle hat sich eine Schlange gebildet, die fast bis in die Innenstadt reicht. Das seit Monaten ausverkaufte Annenmaykantereit Konzert findet statt. Überwiegend junge Mädchen, deren Stimmen sich bereits vor Konzertbeginn vor Freude überschlagen, haben den Weg auf sich genommen um an diesem Abend die Band in Osnabrück zu begrüßen. Henning May, Severin Kantereit, Christopher Annen und Malte Huck gastieren bereits zum dritten Mal in der Hasestadt. Sie haben sich von der Kleinen Freiheit über den HydePark bis in die Osnabrückhalle hochgearbeitet und nutzen den Konzerttag sogar um einen Teil ihrer bald erscheinenden WDR-“Rockpalast“ Folge hier zu drehen.

Dass Annenmaykantereit aus Köln in der deutschen Musikszene kein unbeschriebenes Blatt mehr sind, ist kein Geheimnis. Angefangen als Straßenmusiker im Jahr 2011 sind sie sechs Jahre später nun mit ihrer Platte „Alles Nix Konkretes“ erfolgreich in Deutschlands größten Hallen auf Tour.

Die Kölner Band AnnenMayKantereit in der Ausverkauften Osnabrück Halle vor 3300 Fans am 21.Feb. 2017. Foto: André Havergo www.festival-fotograf.de

Pünktlich um 20 Uhr betritt zunächst der gebürtige Amerikaner Olivier St. Louis in Begleitung seiner Band die Bühne und bringt die über 3300 Menschen in der ausverkauften Osnabrückhalle in Stimmung. Mit „Space Oddity“ von David Bowie läutet er den Abend ein und packt im Anschluss ein Soul-lastiges Set mit schnellen Funk-Einschüben aus. Mit einer lässigen, spielerischen Art versucht er das Publikum in seine halbstündige Show einzubeziehen.

Dann endlich ertönen die ersten Klänge von „Wohin du gehst“ und das Publikum verfällt in eine – das Konzert überdauernde – Jubel-Ekstase.

Die markante Stimme des eher unscheinbar wirkenden Sängers May braucht sich definitiv nicht hinter der von Rio Reiser zu verstecken.

Im Laufe des Konzerts wird klar, dass diese vier Jungs es lieben gemeinsam Musik zu machen. Sie sind ein eingeschweißtes Team und probieren sich gern aus. So kommt das Publikum auch in den Genuss eines neuen Songs und ist begeistert.

Nicht nur die von May eingesetzte Melodica sorgt an diesem Abend für besondere Momente, sondern auch die vielen Trompetensoli des Gastkünstlers Ferdinand Schwarz.

Die Texte der Band spielen fernab von politischen oder gesellschaftskritischen Themen, sie befassen sich vielmehr mit der Liebe, dem Zusammenhalt unter Freunden und in der Familie. „Jeder unserer Songs erzählt eine kleine Geschichte und handelt von Menschen, die wir kennen. Es macht uns stolz zu sehen, wenn wie hier in der ersten Reihe auch bärtige Männer stehen und sie mitsingen“, betont May.

Und er hat Recht. Lautstark singt die Masse jede einzelne Textzeile von Krachern wie „21,22,23“, „Oft gefragt“ oder dem zuletzt veröffentlichten Song „Pocahontas“ mit.

Für Abwechslung sorgen zudem einige englische Songs der Band.

Doch auch die bekannteste Nummer findet in der Zugabe ihren Platz und so singt May mit der Unterstützung des Publikums „Barfuß am Klavier“. Die angereisten Fans schaffen es durch ihre Freude an jedem einzelnen Moment des Konzertes sogar die Band für eine zweite Zugabe auf die Bühne zu holen.

Im Fokus des gesamten Abends steht die Musik. Man verzichtet auf eine übertriebene Bühnenshow oder künstliche Effekte. Der Band liegt am Herzen, dass jeder Einzelne den Moment genießt und sich mit der Musik identifiziert. „Ich will euch lieber klatschen, als eure Handys sehen!“, ruft May. Manche Dinge lassen sich einfach nicht digital festhalten und sollten lieber im Kopf gespeichert werden.

Annenmaykantereit ist eine Band zum Anfassen. Sympathische, lockere junge Kerle, die irgendwie von der Straße auf die große Bühne geraten sind. Ihre Songs sind ehrlich und aus dem Leben gegriffen. Sie haben sich weiterentwickelt, sind dabei aber auf dem Boden geblieben und bereiten einem ein unvergessliches Konzerterlebnis. Egal, ob vor 100 Leuten, auf einem Festival oder in einer großen Halle. Ein Konzert dieser Band ist ansteckend und gefühlvoll. Kein bloßer Trend, der bald wieder vergeht, sondern etwas ganz Besonderes in der sonst so ähnlich klingenden deutschen Radio-Pop-Schrott-Welt.

Weiter so!

Text: Caro Holthaus

Fotos: André Havergo