Beginner Bielefeld Seidenstickerhalle

Ü 30 Party wie sie sein sollte

Ü30 Partys sind ja so ein Phänomen, wo es nicht selten darum geht in nostalgischen Gefühlen zu schwelgen, das was mal war zu feiern, mehr noch es sehnsuchtsvoll zu verklären.

Man denkt sich dabei immer irgendwie „Früher war alles besser“ und feiert eigentlich kontinuierliche gegen die eigene Vergänglichkeit an.

Was in diversen Dorfkdiskotheken mitunter zu einer peinlichen Nummer gerät (Stichwort : Resterampe), war an diesem Abend in Bielfeld eine Rückschau der besseren Art.

Nach gefühlten 200 Jahren hatten die Beginner sich wiedervereint und mit „Advanced Chemistry“ in 2016 ein neues Album auf die Straßen der Republik gedropt.

In den einschlägigen Musikmagazinen kam das „Retrofeeling“ der Platte eher so mittelgut weg und man sollte sich dabei einmal fragen, warum die Branche der Musikkritik, die ja auch ständig mit Vergleichen („klingt so wie“) ihre Restdeutungshoheit zu behaupten versucht, hier andere Maßstäbe anlegte als bei ähnlichen Künstlern.

Seis drum, ausverkaufte Hütte, begeisterte Fans, tolle Setlist und einfache viel positive Energie legitimierten den Auftritt von Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad , die in ihrem etwas mehr als 120 minütigen Set noch von 2 Backgroundvokallistinnen unterstützt wurden.

Als Support hatte man sich Megaloh ausgeguckt, der in seinem recht kurzen Set es kaum schaffte mehr als die ersten 10 Reihen zum Händewaven zu animieren.

Aber dafür waren die circa Siebeneinhalbtausend aus nicht gekommen.

Als der Vorbote des aktuellen Albums (die erste Single „Ahma“ ) aus den Boxen tönte, gab es für die Crowd kein Halten mehr.

Das sonst eher für seine westfälische Reserviertheit bekannte Bielfelder Publikum zeigt sich in bester Feierlaune und auch bei den immer noch recht neuen Stücken textsicher bis zu letzten Strophe.

Ein ums andere Mal konnte man bei den beiden MC`s Eizi Eiz und Denyo ein breites Grinsen erkennen.

Mit einer wirklichen coolen Bühnenpyramide, auf die auch Videos projiziert wurden (inklusive virtuellem Sofa), gaben die Beginner ihrer Show auch den visuellen Schliff.

DJ Mad thronte als Zeremonienmeister auf der Spitze der Pyramide und feuerte die Beats von seiner Kanzel herab auf die Menge.

Möchte man an dem Auftritt etwas kritisieren, dann das die Beginner grad am Anfang viele ihrer Hits verbraten haben, so folgten nach „Ahnma“ recht bald „Hammerhart“ und das immer wieder und immer noch geniale „Gustav Gans“.

So Verstärkung holte man sich noch das Hip Hop Urgestein Torch und den Support Megaloh auf die Bühne. (Witziges Detail am Rande : Der „Hip Hop Opi“ Torch, Mitglied der damaligen Formation „Advanced Chemistry“, verkaufte , wenn er grad nicht auf der Bühne stand sein Merch höchstselbst) zeigte das er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Das tun auch die Beginner gewiss nicht , die eindrucksvoll bewiesen, das sie immer noch einer der derbsten Combos sind, wenn es darum geht auf charmante Art und Weise dicke Hose und Attitüde unter einen Hut zu bringen.

Vielleicht denkt man mal drüber nach, wie man mit zunehmenden Alter immer noch cool sein kann, wenn man das nächste Mal in der Dorfdisko ein Tablett Cola Korn bestellt, zu den Backstreet Boys tanzt und es geil findet, so retro zu sein.

Denn altern passiert von ganz alleine, die Frage ist nur wie wir das bewerkstelligen.

Ich hätte da einen Vorschlag.

„Digger ich bin nicht allein hier, ich habe mein Posse beim mir“