Biffy Clyro – Halle Münsterland – 29. April 2016 – 7.500 Zuschauer

1Live, eine Nacht in Münster, die ganze Stadt auf den Beinen. Die erste ausverkaufte Veranstaltung war auch die größte. Lange brauchte Biffy Clyro nicht, um alle Karten für die Halle Münsterland zu verkaufen. Entsprechend war die Erwartungshaltung des Publikums. Die Vorband Fatherson wurde höflich ignoriert. Man hatte es ihnen nicht leicht gemacht: Sound knapp über Zimmerlautstärke, nur eine halbe Bühne und im Vergleich zu Biffy Clyro als Beleuchtung ein paar bessere Taschenlampen. Die Musik bewegte sich zwischen Kings of Leon und gelangweilten Kings of Leon, aber sie gaben sich Mühe.

Die Spannung stieg, wie kommen die neuen Songs an? Schließlich handelte es sich um das erste Konzert nach Fertigstellung der neuen Platte. Ob man allerdings mit der aktuellen Single „Wolfs Of Winter“ beginnen muss? Guter Song, aber Konzertdramaturgie können andere Bands besser. Zweiter Song: „That Golden Rule“ – OK. Dann „Biblical“ vom Überalbum Opposites. Am Ende sangen die Siebeneinhalbtausend zusammen „Oooooohoho“ im Chor und verursachten eine kollektive Gänsehaut.

Erster Höhepunkt dann etwas später „Bubbles“, das entsprechend abgefeiert wurde. Hier gab es schon ein Lichtaufgebot, als würde es sich um den letzten Song handeln und es müsste alles aufgeboten werden, was da ist. Überhaupt scheint die Band die Frage „Was wollen wir denn so an Licht machen?“ mit einem überzeugendem: „Alles einpacken!“ beantwortet zu haben. Die komplette Rückwand war mit den verschiedensten Scheinwerfern versehen.

Sänger Simon Neil bedankte sich immer wieder – teilweise auf deutsch – bei den Fans. Vorne wurde jeder Song entsprechend abgefeiert. Von den neuen Liedern ist keins nachhaltig hängen geblieben. Allerdings ist es schon erstaunlich, welches Potential an Songs die Band in der Hinterhand hat. Zumindest in Deutschland hat es einige Zeit gedauert bis sie sich eine gewisse Basis erspielt hatten. Auch in Münster war zu spüren, dass die Zuschauer nicht so textsicher sind, wie bei einem schon lange etablierten Act.

Mit einer nicht ganz so fahrigen Song-Abfolge hätte man die Stimmung im Publikum eventuell noch ein wenig mehr steigern können, so musste man halt mit den üblichen labernden und dauer-nachrichten-schreibenden Mitgliedern der Generation Internet vorlieb nehmen. Live-Erlebnisse sind das Größte? Warum genießt die junge Generation es nicht einfach, wenn man so viel Zeit und Geld für ein Konzert investiert – es lohnt sich nämlich!

Als Zugaben wurde noch mal alles aufgefahren, was möglich war. Beim Finale „Stingin´Belle“ hatte man gar das Gefühl, dass der Stroboskop-Taster in der Konsole klemmte. Ein ausgewachsenes Gewitter war autogenes Training dagegen. Dann Ende – Dankeschön – Saallicht an!

Fazit: Wenn Biffy Clyro noch an ein paar Stellschrauben dreht, sind sie in der Reihe der Top-Liveact. So sind sie eine wahnsinnig gute Band mit tollen Songs, bei der man froh sein kann, wenn die Auftrittsorte nicht noch weiter wachsen. Stadion wir kommen!