Christian Steiffen – 04.11.2016 – Rosenhof Osnabrück

Der Christian ist da! Und wie! Heimspiel – der Rosenhof ist zweimal hintereinander ausverkauft. Aber erst muss sich die feierbedürftige Menge noch etwas gedulden. Vorab spielt der amerikanische Singer-Songwriter Shane Alexander, der gleich mit Bridge Over Trouble Water beginnt. Es gibt bestimmt bessere Einheizer, vor allem aber passendere. So kommt noch nicht so richtig Stimmung auf, um nicht zu sagen Shane Alexander wurde freundlich ignoriert. Auch Lou Reeds „Perfect Day“ und ein schöner Mitsingsong namens „Amsterdam“ konnten es nicht mehr retten.

Kurze Pause und „wie gut, dass ich hier bin!“ Fehlendes Selbstvertrauen war noch nie das Problem von Christian Steiffen und so kommt es, dass nach dem ersten Song „Zugabe“ angestimmt wird. „O.K. Ein Stück spielen wir noch, dann ist aber Schuss, schon aus Brandschutzgründen, das wird echt zu heiß hier!“ So ganz unrecht hat er da nicht. Zweites Stück, der Selbstdarsteller probiert das Crowdsurfen, was auch vorzüglich gelingt. Ein Phänomen dieser Mann, gemacht für die größeren Hallen, schon allein, damit das Ego da rein passt.

Zuhause sind sie alle da („Ich wohne nur 200 m von hier!“): Tommy Schneller unterlegt einige Songs mit seinem vorzüglichen Saxophonsound und bei „Du und ich“ muss die Frauenstimme nicht vom Band kommen, denn Eva Scheidereit ist live-haftig da. Die Opernsängerin spielt das Spiel perfekt mit und darf dann noch ein Stück von Haydn singen. Ernsthaft!

Zwischendurch wird immer wieder sein Kompagnon das Original Haseland-Orchester (das nur aus Keyboarder Martin Schmeing besteht) gefordert. „Haseland, Haseland“ schallt es durch den Rosenhof. Dieser ist davon sehr angetan, doch dem Christian wir es irgendwann zu bunt:“… nachher will der auch noch Geld von mir!“

Sein Versprechen, alle Songs seiner beiden Platten zu spielen hält er. Wobei die „Klassiker“ natürlich noch mehr gefeiert werden als die neuen Songs. Doch auch „Du hasst die Menschen einfach gern“ entwickelt sich zum Hit, vielleicht unterstützt durch das grandiose Video, das sicherlich ein Großteil der Anwesenden schon kennt. Hervorzuheben wäre noch „Ich fühl mich Disco“, bei dem die Discobeleuchtung die Stimmung weiter steigert und natürlich „Sexualverkehr“, das zweimal gespielt wird. Zum Ende in der „Robbie-Williams-Version“. Der Entertainer lässt singen, zuerst „Angels“, dann seinen Hit.

Man kann lange über die Frage diskutieren was Christian Steiffen jetzt darstellt: Schlager? Parodie? Pop? Vielleicht einfach großes Entertainment. Das typische Schlagerpublikum ist nicht massenhaft auszumachen, man sieht einige Metal- und Festival-T-Shirts, aber auch Familien, älteres Semester und die gealterte Dorfjugend. Dadurch, dass er quasi nicht auf Schlagerveranstaltungen auftritt, sondern eher auf Rockfestivals, erschließt er sich einen völlig anderen Personenkreis. Klar, feiern wollen alle und es wird auch viel getrunken.

Muss man das jetzt mögen? Nein oder absolut! Dazwischen gibt es nichts. Natürlich funktioniert Christian Steiffen live besser als aus der Konserve, aber trotz der Schlagerlastigkeit hat diese Kunstfigur durchaus Substanz und verdient noch wirklich groß  rauszukommen.

„Die Christianisierung schreitet voran!“