Das Reload mit neuem Besucherrekord

Über einen geschotterten Weg geht es zu den Parkplätzen. Die Staubwolke um das Auto herum lässt die Hitze in der Savanne von Diepholz erahnen. Noch sind es angenehme 23 Grad, doch gleich wird das Thermometer, beim Verlassen des PKWs, auf 35 Grad hochschnellen. Am Backstage-Bereich vorbei gelangen wir in den Pressebereich, genau neben der Bühne. Hier begegnen uns nicht nur die ersten härteren Töne der Künstler, sondern auch viele schwitzende Gesichter.
Nachdem wir unsere Sachen verstaut haben, ging es auch schon auf das Gelände um sich einen Eindruck zu verschaffen.  Gerade spielt Stick to your Guns in der Nachmittagshitze. Die Getränkestände sind, den Temperaturen geschuldet, rappelvoll und versorgen das bunt gemischte Publikum mit Erfrischungen. Wobei bunt eher auf den Altersdurchschnitt bezogen ist. Die am häufigsten getragene Farbe ist eindeutig schwarz, was bei den vielen Sonnenstunden nicht unbedingt als Vorteil gewertet werden kann. Doch eingefleischte Musikfans stehen zu ihrer Farbe, außer man gehört eher der oberkörperfreien Fraktion an, dann wedelt das T-Shirt in Schwarz lässig am Hosenbund mit. Neben den Getränkeständen finden sich verschiedene Essens- und Merchandisingstände auf dem Gelände wieder, auch Skateaid Seashpaerd und Viva Con Agua sind mit von der Partie.
Stick to your Guns wurde mittlerweile von Agnostic Front abgelöst. Gitarre, Schlagzeug, Bass und eine kräftige Stimme. Die schwitzende Menge wird aufgefordert näher zu kommen um sich von den Jungs mit ordentlich wumms einheizen zu lassen. Für uns ist es jedoch Zeit eine kleine Erfrischung zu bekommen. Als nächster Act und persönliches Highlight steht Emil Bulls auf der Bühne. Es ist der fünfte Auftritt auf dem Reload, womit man sie zu den Stammgästen zählen kann. Die alternativen Metaller aus München starten gleich mit „Hearteater“, einem ihrer Klassiker, und bringen prompt das Publikum zum Mitsingen. Die Temperaturen werden mit der sinkenden Sonne kühler, was auch mehr Besucher vom Zeltplatz vor die Bühne lockt. Die Münchener legen eine wahre Spielfreude an den Tag, was aber nicht nur an den zahlreichen Fans liegt verrät Christoph „Christ“ von Freydorf, die Stimme von Emil Bulls: „Dieser Auftritt heute, ist etwas besonders für uns! Noch nie haben wir zwischen so vielen Jugendidolen gespielt.“ Ein perfekt animiertes Publikum beweist im Konzertverlauf um das ein oder andere Mal ihre Textsicherheit.
23_archenemy_reload_northside_rueterMit dem Einsetzen der Dunkelheit betreten Arch Enemy die Bühne. Unmengen an Pommesgabeln ragen in die Luft während die langhaarigen Bandmitglieder ihre Head-Bang Fähigkeiten präsentieren. Die schwedische Band wartet mit der einzigen weiblichen Frontfrau auf. Alissa White-Gluz fällt nicht nur mit ihrem engen Lederoutfit und den knallblau-türkisen Haaren auf, sondern begeistert auch mit einer tiefen und düsteren Stimme. Einige Seifenblasen schweben im Bühnenlicht über die Menge und lassen kurz die Dunkelheit des Auftrittes vergessen. Mit „Nemesis“ verabschieden sich die Death-Metaller*in und räumen die Bühne für Heatbreed.
Die New Yorker Band steht seit dem ersten Tag ihrer Bandgeschichte für Hardcore. Stets vertreten sie ihre Meinung zu politischen Problemen und verleihen dieser nicht gerade zartfühlend Ausdruck. Diese Gradlinigkeit gefällt und kommt auch bei dem, inzwischen angetrunkenen, Publikum gut an.

26_limpbizkit_reload_northside_rueterDer unverschnörkelte Metal mit seinen klaren und energischen Beat bereitet die Menge auf den Headlinder des heutigen Abends vor: Limp Bizkit!

Zu Recht sind sie die letzte Band am heutigen Tage. Die ersten Gitarrensaiten werden angeschlagen und ein „Keep on rollin‘ baby“dröhnt durch die Boxen – das Publikum flippt vollkommen aus. Nach nun mehr als 20 Jahren im Musikgeschäft hat Limp Bizkit ihren unverwechselbaren Sound behalten. Fred Durst, Sänger der Band, geht immer wieder auf Tuchfühlung mit dem Publikum. So singen sie gemeinsam Lieder quer durch das Repertoire der Band und zelebrieren diesen Moment, dieses Konzert, auf das sie so lange gewartet haben. Wir sind einfach nur begeistert, dass war ein wahnsinniger Auftritt mit vielen Kindheits-Erinnerungen und vielen schönen Momenten. Wir hoffen, dass wir die Nu-Metal Künstler nicht zum letzten Mal gesehen haben.

.

.