Das Schloga Open Air 2017

Seit vielen Jahren nun veranstalten die Mobile Jugendarbeit der Stadt Osnabrück (Streetwork), das Musikbüro Osnabrück und das Haus der Jugend ein Festival im Schlossgarten exklusiv für die Osnabrücker Bandszene und alle Musikliebhaber. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es umsonst und draußen zwischen Mensa und EW-Gebäude stattfindet und jungen Musikern eine Bühne bietet.

Gegen halb fünf enterten Full Pitch mit bluesigen Rocktönen die Bühne. Das Publikum tanzte dazu mit Bier und Bratwurst. Bei dem Song „Goodmorning Miss Sexy“ forderte Frontmann Michel die Ladys zur Beckenbodengymnastik auf und bot somit einen großartigen Auftakt für das Schloga Open Air 2017. Ursprünglich sollten Psaikorillaz um diese Zeit spielen. Jedoch sprang die Band aus gesundheitlichen Gründen ab, sodass die Hardrocker Full Pitch eingesprungen sind.

Trotz des Nieselregens war die Stimmung auf der Wiese vor der Mensa sehr gut. Und so folgten auf Full Pitch die Pink’n Roller The Cutes. Ausgestattet mit cuten pinken Krawatten und weißen Hemden erzählten sie uns wie sich die Gruppe, im Jahr 2003 im Suff, beim Schloga-Open Air gegründet hat. Dies war der Grund 10 Jahre nach der Bandauflösung das Réunion-Konzert exklusiv am Gründungsort zu feiern. Deren Musik beschert dem Hörer gute Laune und lädt zum mitrocken ein.

Das Publikum war auf Feiern nun gut eingestimmt und somit war die Bandabfolge bisher sehr gut gewählt indem TAFKAT mit ihrem gesellschaftskritischen Punk’n Roll sich die Frage stellte, ob Osnabrück auch ein bisschen tanzen könne. Oh ja! Das können die Leute aus der Friedensstadt. Und so kam es beim Song „Halleluja Rock’n Roll“ zum ersten Pogotanz des Abends. Es wurde nicht nur getanzt, sondern auch mitgesungen und geklatscht. TAFKAT weiß, wie man die Besucher auf seine Seite zieht. 

Darauf folgte durch die Heavymetaler Chasing the Serpent ein musikalischer Stilbruch im Vergleich zu den vorangegangenen Bands. Die gegen Ende 2015 gegründete Band trat mit einer Ersatzsängerin auf. Deren Stimme markant kraftvoll war. Das Publikum entspannte sich etwas vom wilden Pogotanz und lauschte dem treibenden Sound der 5 Osnabrücker. Stimmen aus dem Publikum kritisierten im Nachgang die Abfolge des Abends. Demnach hätten Chasing the Serpent besser am Anfang auftreten können, um das Open Air einzuleiten. Begründet wurde dies mit dem zu heftigen Stilbruch. Denn für das Publikum war es schwer sich von rockigen Punktönen direkt auf sehr gut umgesetzten Heavymetal einzustellen. Dennoch Chapeau an die spontan für Janina Ruopp eingesprungene Ersatzsängerin. Und das nach nur einer Bandprobe. Sehr gut umgesetzt!

Und da war er wieder, der Stilbruch des Abends. Eine echte Osnabrücker Punkgröße, welche sich großer Beliebtheit erfreut, bespielten als nächstes das Schloga Open Air. Splitterfaser hatte kritischen und vor allem neongrünen Punkrock mit im Gepäck. Sie sind im Internet weil sie sich dort wohlfühlen und bezeichnen braunen Kram als das was er nun mal ist: als Abflussproblem. Denn Nazis tanzen nicht. Der Punk lebt in leibhaftiger Gestalt und ist splitterfasernackt. Als Gast holten sie sich Fabi von Tony Trash auf die Bühne und feuerten Konfettiraketen ab. Zudem bewiesen Splitterfaser, dass ihre Fan Community generationsübergreifend ist: Groß und Klein, Alt und Jung tummelten sich tanzend vor der Bühne. Und auch die Kleinsten durften mitspielen. Bassist Torben lies spontan ein kleines Mädchen ein paar Seiten auf seinem Bass zupfen. Sehr familienfreundlich!

Abgelöst wurden die splitterfasernackten Punker von den Metalcore-Helden Chiffre. Mit deutschen Texten und sphärischen Gitarrensound forderten sie das Publikum zum kuscheln vor der Bühne auf. Doch daraus wurde leider nichts. Die Menge tanzte lieber und feierte deren Gig. Chiffre wurde im Jahr 2013 in Osnabrück gegründet und ordnen sich dem Musikgenre Melodic-Hardcore ein.

Nachdem geklärt worden ist, wer oder was Chiffre sind, musste nun noch eine weitere Frage des Abends geklärt werden: Was ist eigentlich Atarirock? Um dies zu beantworten, benötigte es eine der dienstältesten Atarirockbands: Gelbes Haus kommen aus Hagen und klingen nach gutem alten Pop-Punk. Damit wäre die Frage beantwortet. Gelbes Haus steht auf Amateurfußball, fordert „Macht kaputt was euch kaputt macht“ und speichert das Schicksal der Menschheit auf einem USB-Stick ab. Spontan wurde die Bandbesetzung von fünf auf sechs Musiker aufgestockt, denn ein Junggeselle mit Plastikgitarre und Langhaarperücke war wohl noch auf der Suche nach einer richtigen coolen Gang.

Das eigentliche Highlight des Abends waren Rhonda. Und deshalb durften sie ab 22 Uhr das Publikum vom Schloga Open Air gleich eine ganze Stunde mit deren soulig-poppigen Musikklängen verwöhnen. Doch bevor jene auftreten durften, betrat ein Mitarbeiter des Musikbüros Osnabrück die Bühne. Er bedankte sich für das Engagement von Marco, welcher sich nicht nur für die Organisation des Schloga Open Air einsetzt, sondern auch für etliche weitere Musikveranstaltungen in Osnabrück. Menschen wie er und die Sponsoren ermöglichen solche Events in der Friedensstadt erst. Musikern, die Spielfreude haben, wird somit eine Bühne geboten und es fördert die Vielfalt an kulturellen Highlights in Osnabrück.

Text: Julia Rissling

Fotos: Julia Rissling