EP Release Konzert Hi! Spencer

Blickt man durch die Geschichte des Werdegangs junger, lokal berühmter Bands, so ist der Prozess des Erwachsenwerdens, die Evolution der eigenen Musik oftmals durchdrungen von Zweifeln und dem Mangel an Möglichkeiten, die eigene Kunst auf das vielzitierte nächste Level zu hieven.

Beispiele dafür gibt es zuhauf und ein jeder darf mal kurz inne halten und sich eine Band vor dem geistigen Auge denken, die vielversprechend begonnen hat und dann schneller als eine Sternschnuppe verglüht ist.

Was das alles mit Hi! Spencer zu tun hat?

Nun, jeder der an diesem Freitagabend in der Gaststätte Stock zu gegen war, sollte die Frage mit der Erkenntnis beantworten, dass die Indiepunk-Kapelle hier nichts mehr und nichts weniger getan hat, als einen Monsterschritt in ihrer Entwicklung zu machen.

Ernster als noch auf dem Debüt?

Auf jeden Fall, denn wer ehrlich ist, wird erkannt haben, dass die Themen, die auf ihrer EP „Kopf in den Wolken“ verhandelt werden, genau um dieses Thema kreisen.

Man besinnt sich der eigenen Stärken und es ist eine wahre Wonne zu sehen, wie eine Band aus der Region Osnabrück eben nicht künstlich gepusht wurde.

Hi! Spencer sind organisch gewachsen und genau dieser Ansatz wurde vom wieder einmal nah am Wahnsinn drehenden Publikum dankend angenommen.

Sven Bensmann, Jan Niermann, Niklas Unnerstall, Malte Thiede und Janis Petersmann wirkten an diesem Abend mehr denn je als eine natürlich gewachsene Einheit, die es scheinbar mühelos schafft, ihre Anliegen, die oft auch melancholisch durchzogen sind, mit Leichtigkeit und unbändiger Spielfreude zu transportieren.

Das Publikum fraß ihnen wirklich aus der Hand und sang alles, wirklich alles enthusiastisch und textsicher mit.

„Ohne Schatten gäb`s kein Licht“ ist so eine Zeile (aus „Schatten/Licht“), bei der man nicht anders kann als die Faust gen Himmel zu recken und hymnisch mitzusingen.

Im Vorfeld hatte die Band angekündigt „alles, wirklich alles, was wir je auf Tonträger gebracht haben“ zu spielen.

Dieses Vorhaben brachte dann auch in der jüngeren Vergangenheit eher selten live gehörte Lieder wie „Wie Du“ auf das Parkett.

Die Stücke der neuen EP bildeten sozusagen die Klammer dieses Konzertes und wenn bei, so muss man es wirklich sagen „Klassikern“ wie der Ballade „Sie tanzt“ das Publikum sich hinsetzt und gespannt lauscht, wie Sven Bensmann von der Einsamkeit einer Prostituierten singt, so wirkt dieses Hinsetzen nicht bemüht und auf Knopfdruck, sondern das Publikum tat es, weil es das genau so wollte. Man ist es ja schon ein wenig leid, immer wieder betonen zu müssen, wie gut ein Hi! Spencer Konzert ist und auch der Band wurde hier und in vielen anderen Berichten schon oft Honig um den Mund geschmiert.

Aber deswegen ist es nicht weniger wahr, dass der Fünfer eine Band ist und bleibt, die für energetische Liveshows und schweißtreibende Bühnenperformance steht.

Am Ende stand der Titeltrack des neuen Tonträgers.

Ganz allgemein der wohl beste Song, den Hi! Spencer je gemacht haben, hinterließ „Kopf in den Wolken“ den Eindruck, dass sich hier eine Band gefunden hat, die sich nicht vom Weg abbringen lässt und darf.

Auch wenn man mit Prognosen und der Kristallkugel immer falsch liegen kann, die Möglichkeit, dass Hi! Spencer nicht durch die Decke gehen werden, wird mit solchen Konzerten kleiner, immer kleiner.

Denn „das alles hier hat sich schon gelohnt, wenn uns nur einer vermisst“.

Träumt bitte weiter, nur der Traum ist vorbei. Willkommen in der Realität Hi! Spencer.

Ihr seid „gekommen um zu bleiben“.

„Das ist keine Phase, das ist nicht naiv“.

 

Text: Thorsten Peistrup

Fotos: Jan RüterJulia Rissling

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