Geburtstagssause im Regen – das Hurricane 2016 feiert!

Der Wettergott scheint in diesem Jahr leider kein Fan von Festivals zu sein. Unwetter, das sich durch Starkregen, heftige Gewitter und Sturmböen auszeichnet setzt Open Airs bereits vor der Eröffnung Schachmatt. Andere werden im laufenden Betrieb abgebrochen. Evakuierungen werden in diesem Festivalsommer zur Norm und Veranstalter sowie Besucher wappnen sich so gut es geht gegen die unvorhersehbaren Wetterprognosen.

13566079_1075198639212798_263438065_nLeider bleibt auch das Hurricane Festival nicht von diesen widrigen Umständen verschont. Bereits am Donnerstag wird das gesamte Festivalgelände vom Regen überschwemmt. Die White Stage erleidet einen massiven Wasserschaden, so dass sie am folgenden Freitag gar nicht bespielt werden kann. Auch die Red Stage leidet unter den Wetterbedingungen. Einige Konzerte müssen entfallen. Allgemein arbeitet man vor Ort mit Hochdruck daran, allen Besuchern das Festival so angenehm wie möglich zu machen. Wasser wird vom Infield abgepumpt und es werden Maßnahmen ergriffen, um den Boden großmöglichst zu entlasten. Die Besucher lassen sich die 20jährige Geburtstagssause natürlich nicht nehmen und feiern friedlich ihre Lieblingsbands. Auch eine vorsorgliche Evakuierung um 18 Uhr und eine damit einhergehende Spielpause der Bands wird gelassen gesehen.

Knapp zwei Stunden später geht es weiter. Auf der Green Stage stehen die Schweden von The Hives. In gewohnter Manier legt die Band los. Es hagelt Ansagen a lá „Wo sind denn die ganzen Leute? Haben sie noch nicht bemerkt, das es nicht mehr regnet und wir auf der Bühne stehen?“. Größenwahn, wie man ihn von den Musikern kennt. Dem ein oder anderen Besuchern häufen sich solche Ansagen zu sehr. Der Großteil der Fans freut sich aber über die mitreissende und energiegeladene Show.

Auf der Red Stage stehen zeitgleich die Nordlichter von Turbostaat in den Startlöchern. Vor einem recht großen Publikum legt die Band mit sichtlicher Spielfreude ein hervorragendes Set hin. Hits wie „Harm Rochel“, „Insel“ und „Vormann Leiß“ setzen das Publikum in Bewegung und sorgen für eine ausgelassene Stimmung.

Hurricane 2016 Boysetsfire

Hurricane 2016 Boysetsfire

Kurz darauf stehen Boysetsfire auf der Red Stage. Die Band hat vermutlich den schwersten Slot des gesamten Festivals. Denn parallel spielt Rammstein auf der Green Stage und deren Feuershow zieht sehr viele Festivalgänger an. Hochmotiviert und energiegeladener denn eh und je präsentieren sich die Musiker nun auf der Bühne. Alles soll perfekt sein. Der Sound wird im Vorfeld genau ausbalanciert, die Setlist lässt keine Wünsche offen und das Wetter, das den Fans wohl gesonnen ist, macht diese Show zu einem großartigen Erlebnis. Vielleicht sogar zum besten Konzert des Tages. Sänger Nathan Gray bedankt sich mehrfach aus tiefsten Herzen bei allen Anwesenden. Authentisch, das sind die Musiker schon immer gewesen und sie werden es auch bleiben.

Der Samstag hält leider vor allem eines bereit. Regen, Regen und nochmals Regen. Vor Ort bemüht man sich mit vereinten Kräften das Infield begehbar und damit die Konzerte beginnen zu lassen. Nur wenn man eines nicht kontrollieren kann, dann ist es das Wetter. Als zum Abend hin alles vorbereitet ist und der Einlass beginnen soll schiebt sich die nächste Regenwolke über Scheeßel. Ein Starkregen prasselt auf das Gelände nieder und macht alle Pläne zunichte. Schluß, aus, das war’s. Keine Konzerte am Samstag.

Wer es bis zum Sonntag durchgehalten hat, der wird nun endlich für seine seine Geduld und Ausdauer belohnt. Die Sonne kommt raus, es verspricht ein wunderbarer Festivaltag zu sein. Erstmalig an diesem Wochenende werden sogar alle vier Bühnen bespielt. Somit ergibt sich die Qual der Wahl, vor welcher Bühne man sich einfindet. Etwa bei The Subways, die eine unglaubliche Partystimmung verbreiten. „You don’t need money to have a good time“ ist hier das Motto und das Trio haut einen Hit nach dem nächsten raus.

Hurricane 2016 Bosse

Hurricane 2016 Bosse

Nach den Subways entert Aki Bosse mit seinen Musikern die Bühne. Energiegeladen, wie eh und je, rennt er von rechts nach links und wieder zurück. Gibt dabei die sympathischten Ansagen des Festivals zum Besten und das randvoll gefüllte Gelände lauscht seinen Indie Rock Nummern. Überall wird getanzt, gehüpft und gesungen. Dies sieht Bosse als Einladung und verschwindet im Publikum.
Viel zu schnell geht die Zeit rum. Auf der blauen Bühne gesellen sich The Wombats und Two Door Cinema Club. Beide Bands liefern ein überaus tanzbares Set ab. Hier schwingen nicht nur die kleinen Indie Mädchen das Tanzbein, nein auch der Rammstein Rocker verzieht seine grimmige Miene zu einem Lächeln und wippt mit dem Fuß im Rhythmus. Na also, wer sagt’s denn: Musik verbindet…
…zumindest die Besucher. Denn das Bild auf der grünen Bühne spricht wenig von „Musik verbindet“. Bloc Party sind leider nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Nebelmaschine arbeitet auf Hochtouren und versucht zu verbergen, was doch jeder mitbekommt: Innerhalb der Band gibt es Null Interaktion, keine Blickkontakte, nichts. Man leiert das Set runter, wirkt wenig motiviert und lässt sich von einer veralteten Erfolgswelle tragen.
Ganz anders sieht es da bei Deichkind aus. Für viele Besucher sind die Kinder vom Deich der wahre Headliner des Sonntages. Der Bereich vor der blauen Bühne ist bis zum letzten Zentimeter belegt, Einmal noch heißt es „Roll das Fass rein“ und „Krawall und Remmi Demmi“. Der Alkohol fließt in Mengen, die Zuschauer feiern bis zum Ende. Heute kehren sowieso viele noch einmal in ihr Zelt ein. Von den Parkplätzen kommt man oft nur noch mit Hilfe eines Treckers. Also dann, noch einmal den Rausch ausschlafen, morgen wird abgereist.
Und dann ist sie auch schon vorbei. Die große Hurricane Geburtstagssause! So hat sie sich sicherlich niemand vorgestellt, doch seien wir ehrlich: Diesen Geburtstag wird keiner der Besucher so schnell vergessen. Und ist es nicht genau das, was ein großartiges Event ausmacht?

Bis zum nächsten Mal, wenn das Hurricane 21 Jahre alt wird. Vom 23. – 25.06. steigt das kommende Festival. Bis dahin sind auch alle Zelte wieder getrocknet. Bestimmt.

Fotos und Text: Britta Flachmeier