Ghost + Dead Soul – Dortmund FZW 09. Dezember 2015 ca. 1.300 Besucher

(Un)heilige Messe

Menschen verkleiden sich als Papst und malen sich einen Totenkopf ins Gesicht? Ah, Ghost sind in der Stadt! Vorher mühen sich Dead Soul vergeblich das sehr gut gefüllten FZW auf den Hauptact einzustimmen. Doch dem nur mit Gitarre, Bass und Elektronik besetztem Trio fehlt eindeutig der Druck des Schlagzeugs. Auch ein guter Sound und der redlich bemühte Sänger mögen diesen Makel nicht überspielen. Dabei erinnern einige Parts und die Stimme stark an die Editors, können mit deren Dynamik aber nicht mithalten. Schade, die Songs wären es wert gewesen.

Dann folgt eine etwa halbstündige Einstimmung mit Choralmusik und Räucherstäbchengeruch. Kurzes Intro, dann „Spirit“, leider ist der Gesang bei den ersten Songs sehr schlecht abgemischt, so dass es einige Zeit dauert, bis der Funke überspringt. Die Inszenierung ist dabei der ausschlaggebende Faktor. Das komplette Konzert ist wie eine Messe aufgebaut, es beginnt bei Bühnenaufbau, bei dem der Hintergrund an ein Kirchenfenster erinnert, geht über die eingespielten Choräle bis zu Weihrauchgeruch – nur dass eben nicht Gott gehuldigt wird.

Ghost3

Der auffälligste Teil der Show ist, dass die Musiker als gleichförmige „Nameless Ghouls“ mit gleichen Gewändern und Masken auftreten und Sänger Papa Emeritus III. mit Papst-Gewand (am Anfang) und Totenkopfbemalung über allem steht. Die Kostümierung und vor allem der Okkultismus bilden einen Gegensatz zu seiner überaus sympathischen Art. Immer wieder weist er das Publikum an mitzumachen oder unterhält durch skurrile Ansagen. Zwei als Nonnen verkleidete Mädchen entlässt er in die Menge mit den Worten:„… but no assgrabbing!“.

Die Setlist wird überwiegend mit Stücken des neuen Albums Meliora gefüllt. Doch der erste wirkliche Höhepunkt ist „Year Zero“. Bei „Absolution“ merkt man dann wie die Band durch das geschickte Mischen von Metalgitarren und ins-Hirn-bohrenden-Popmelodien zu begeistern weiß. Mit dem Roky Erickson-Cover  „If You Have Ghosts“ endet die Aufführung. Wobei sich die Band noch zu der Zugabe „Monstrance Clock“ überzeugen lässt. Die Zeile „Come together, together as one, come together for Lucifers son.“ wirkt noch lange nach.

Ist man nach einem Ghost-Konzert jetzt ein eingefleischter Satanist? Nein, die Gefahr besteht nicht, aber die ganze Inszenierung macht das Besondere aus. Wirklich ernst scheint es die Band auch nicht zu meinen und unter den Zuschauern wurden weder Tieropfer gebracht, noch traf man sich nachher zur schwarzen Messe auf dem Friedhof. Alles nur Show! Aber eine verdammt gute.

Ghost12

Text: Guido Kleinmeyer

Fotos sind beim Wacken OpenAir gemacht worden und wurden uns freundlicherweise von Romana Makówka zur Verfügung gestellt www.romamakowka.eu