Hardy And The Hardons – Rosenhof, 8.12.2016

Es ist der Abend des 8. Januar, dem Geburtstag von Elvis Presley. Eine überschaubare aber gut gelaunte Menge steht im Rosenhof und wartet auf das Erscheinen des Reverend Hardy Hardon und seiner Band The Hardons. Während des Katholikentages 2008 in Osnabrück hatte Hardon die Church of Elvis gegründet, die Band war schon seit 2001 mit Elvis-Liedern aufgetreten. Ein Jahr nach dem Katholikentag hatten sich die Hardons zurückgezogen, heute möchten sie noch einmal Elvis Presley die Ehre erweisen.

Um kurz nach 20 Uhr wird die Messe der Church of Elvis eröffnet. Die ersten Lieder („CC Rider“, „Burning Love“, „Let Yourself Go“ und „That’s All Right Mama“) stoßen gleich auf Zuspruch in der versammelten Gemeinde.

Die acht Bandmitglieder hinter dem Reverend hören auf klangvolle Namen, die alle mit „Hardon“ enden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man unter ihnen die Musiker der Angefahrenen Schulkinder. Das wegen seiner Haarpracht auffälligste Mitglied, sonst „Heaven“ genannt, wird als Neuzugang in der Church of Elvis begrüßt. Der Reverend versichert, Woody Hardon, wie er hier heißt, mit heiligem Haarspray gesegnet zu haben. Auch die Fangemeinde wird im Laufe des Abends mit viel heiligem Haarspray bedacht. Woody selber berichtet von einer Erscheinung, die er sofort wieder vergessen hatte, was ihn „total imprägnierte“. An diesem Abend hat er die Ehre, von der Kanzel aus zwei Lesungen aus dem ersten Buch Springsteen vorzutragen. Darin geht es natürlich um die Geburt Elvis Presleys und der Verbreitung des Rock’n Roll.

Hardy Hardon fordert seine Anhänger zum Dialog auf („jeder kann sich einbringen“), kündigt für später die Möglichkeit zur Beichte an und bringt den Fans schon mal das heilige Mantra bei, das da lautet „a wop bop a loo lop, a lop bam boom“. Genau wie die Zuhörer hat die Band offensichtlich großen Spaß an der Musik. Gemeinsam celebriert man „I’m Evil“, „Long Lonely Highway“, „The Wonder Of You“, „You Ain’t Nothin But A Hound Dog“ und natürlich „Tutti Frutti“, wobei das heilige Mantra begeistert angestimmt wird. Die Messe ist in vollem Gange, und für zukünftige Veranstaltungen dieser Art wünscht sich Hardy, dass mit dem anstehenden Umbau des Rosenhofes auch auf dessen korrekte Ausrichtung nach Memphis geachtet wird.

Der Reverend weist auf die Gebote der Church of Elvis hin, zum Beispiel „Don’t You Step On My Blue Suede Shoes“, „Return To Sender“ oder „Love Me Tender“. Nach den Liedern „Guitar Man“ und „Gentle On My Mind“ erwähnt er dann noch ein ganz wichtiges Gebot: „A Little Less Conversation, A Little More Action“, oder auch, frei übersetzt:„Nicht so viel labern“. Bei diesem Song springt der Funke endgültig über. Gelabert wird nicht, nur viel getanzt.

„Devil In The Sky“ stimmt auf die anstehende Beichte ein. Mutig meldet sich Woody Hardon als Erster. Er beichtet das dreiste Parken auf einem Behindertenparkplatz und die vorsätzliche Reinigung seiner Klobürste in der Spülmaschine. Darauf beichtet ein Fan namens Nils, auf seiner Hochzeitsfeier ein Lied von Helene Fischer zugelassen zu haben. Für dieses schwere Vergehen wird ihm auferlegt, neunmal „Jailhouse Rock“ zu beten.

Weiter geht es mit „Proud Mary“. Reverend Hardy Hardon zieht sein Sakko aus und erlaubt allen Anwesenden, bei Bedarf auch etwas abzulegen. Als sich der Keyboarder Mad Dog Hardon seines Talars entledigen will, heißt es aber „Nee, den nicht, da hab ich doch 20 € bei Ebay für bezahlt!“

Hardy fragt das Publikum, wer mal auf der Bühne singen will. Jemand kommt rauf und gibt „In The Ghetto“ zum Besten. Dass seine gesanglichen Fähigkeiten an die des Reverends nicht so heranreichen, fällt nicht großartig auf, da dieser mit einem Silbertablett voll Donuts im Publikum unterwegs ist. Den letzten Donut bekommt der Gastsänger, ebenso einen Stapel Autogrammkarten mit dem Auftrag, sie unters Volk zu bringen. Er darf aber ein weiteres wichtiges Gebot des King befolgen, bevor er die Verteilung startet, das da lautet „In Ruhe aufessen“.

Gestärkt nach dem Imbiss stimmt Hardy Hardon „Walk A Mile In My Shoes“ an, stellt seine Stiefel auf die Bühne und bietet sie zum Rundgang an. Den Rest des Konzertes bestreitet er gößtenteils in Socken, das Angebot mit den Stiefeln wird aber nicht so angenommen…

Nach „I Can’t Stop Loving You“ eröffnet sich die Möglichkeit zur Trauung. Da die Trauungen der Church of Elvis aber nur 24 Stunden halten („bis der Tag Euch scheidet“), rät der Reverend Paaren, die zusammenbleiben wollen, davon ab. Nur manchmal kommt es anders, „Ich habe mal ein Paar vor sieben Jahren getraut, das ist richtig schiefgegangen – die sind immer noch zusammen!“

Getraut wird dann keiner, das tut der guten Laune aber keinen Abbruch. Zu „Viva Las Vegas“ und „Always On My Mind“ wird weitergefeiert.

Das Konzert geht dem Ende zu, den Abschluss krönen Zugaben wie „In The Ghetto“, „Suspicious Minds“ und „….welches Lied habe ich jetzt noch so dringend verspürt?“…Hardy hat es vergessen. Macht aber nichts, „Can’t Help Falling In Love“ ist auch schön. Und dann fällt es ihm doch wieder ein, aber „das Lied haben wir gar nicht vorbereitet.“ Ist egal, zum guten Schluss kommt noch einmal „CC Rider“, und damit schließt sich der Kreis.

Der Reverend Hardy Hardon bedankt sich für die wunderbare Messe und wünscht allen Anwesenden ein „Happy Hardons to you“. Gute zwei Stunden hat es gedauert, zwei unterhaltsame, kurzweilige und humorvolle Stunden mit sehr ansprechender Musik. Und wenn man sich den Reverend genauer ansieht – warum kommt der einem eigentlich so bekannt vor? Denkt man sich ein buntes Rüschenhemd, einen Schnäuzer und längere Haare dazu, dann erkennt man ihn – er hat schon oft als Christian Steiffen den Rosenhof zum Feiern gebracht. Heute hat er seine Ferien vom Rock’n Roll mal unterbrochen – und es sicher genossen. Wie das Publikum.

Und in der Luft liegt noch der Duft des heiligen Haarsprays…

Ein Artikel von Nicole Kleimeyer