Hütte Rockt Tag 2 

Von Circle Pits mit Apen, kurzen Abreisewegen und Donner zu guten Schluss

Auch am zweiten Tag des Hütte Rockt Festival knallte die Sonne erbarmungslos auf das Harderberger Areal.Dieser Umstand führte zwar zu kurzen Verschnaufpausen und immer wieder groß angelegten Schweißausbrüchen, tat der sensationellen Stimmung aber zu keiner Sekunde einen Abbruch.

Eröffnet wurde der Kessel Buntes von der Klosteraner Blaskapelle, die zu fast noch nachtschlafender Zeit bei Freibier die ersten Besucher aus den Federn schüttelten. 

Die erste Band, die die Hauptbühne enterten war die Abi Band des Gymnasium Oesede, die sich quer durch die jüngere Rockgeschichte coverte.

Handwerklich freilich ausbaufähig, muss man aber an dieser Stelle einmal den Mut bewundern, mit der sich die blutjungen Menschen dem Publikum stellten.

Und eine „Wall of Death“ bekommt zu so einer Tageszeit auch nicht jeder an den Start.

Weiter ging es mit der Knüppelkapelle Dead Kingdom, die leider zum einen unter  arg dünnem Zuschauerzuspruch performten und zum andern kaum zu verstehen waren.

Dennoch bot der Mann am Tieftöner eine imposante Erscheinung. Fast sah man den Bass ob der schieren Masse in einem Berg von Mensch verschwinden.

Empire Me aus Osnabrück fügten sich perfekt in das Line Up ein und ließen mit ihren sozialkritischen Texten und ihren wunderbar rauen Punk Attitüde aufhorchen und Herzen hüpfen.

Junikorn beherrschten die Form des soggenanten Guerilla Marketings schon recht gut. Waren doch das gesamte Wochenende über immer wieder kryptisch anmutenden Einhorn Aufkleber auf dem Festivalareal aufgetaucht. Solider Rock`n Roll trifft es ganz gut und diese Sache wurde auch vom Auditorium gut aufgenommen.

In den folgenden Umbaupausen versorgte die Band Sonor Teutonicus die Menge im Zelt mit Mittelalterrock und einigen Damen dürfte ganz wuschig geworden sein,als Frontmann Martin Dreier wieder einmal seinen perfekt gestählten Body präsentierte.

Auf der großen Bühne ging derweil weiter mit Therapiezentrum. Die Band um Matthias Lohmöller und Frontfrau Gianna Niemeyer zelebrierte ihren eingängigen Deutschrock (in diesem Fall KEIN Schimpfwort) und Frontfrau Gianna bewies einmal mehr, das sie in einem Moment wie ein Derwisch übers Parkett fegen und im anderen Moment eine nachdenkliche, nahezu verletzliche Person sein kann.

Reliquiae waren nun angetreten um die Fans von Kapellen wie Subway to Sally und Tanzwut zu „bedienen“. Das funktionierte wirklich gut und die Bühnendekoration mit Feuerschalen und der insgesamt sehr professionell wirkenden Eindruck bestätigeten, warum die Band dieses Jahr auf dem W.O.A ein vielbeachteter Act war.

Die Wohnraumhelden, am Tag zuvor noch im kleinen Rahmen auf ihrer Ape am Start, ließen es sich zum Festivaljubiläum nicht nehmen, das ganz große Besteck aufzufahren.

Mit der Wohnraumheldenliga spielten sie größere, perfekt instrumentierte Songs ihre Gassenhauer. Muss man erlebt haben und Christoph Stein Schneider und die seinen dürften mit diesem Auftritt gewiss in die Analen des Festivals eingehen.

Ds Feld war sozusagen bereitet für den Headlines zum zehnjährigen.

Und die Donots aus Ibbenbüren haben geerntet, wie nie ein Headliner des Hütte Rockt zu vor.

Die wahrscheinlich freundlichste Band des Planeten pflügte wie ein Orkan über den Harderberg und brachte die Menge mit einer perfekt gelungenen Mischung aus neuen Songs des Albums „Karacho“ und gut gereiften Klassikern zum kollektiven Durchdrehen.

Ein würdiger Hauptact zum Jubiläum.

Die Wohnraumhelden ließen sich auch noch kurz blicken und fuhren mit ihrer App quer durch den Circle Pit. Unfassbar !

Leider musste der folgende Auftritt der Basement Apps aufgrund einer Unwetterwarnung abgebrochen werden, doch die Aftershowparty konnte mit kurzer Verspätung noch bis um 03:00 stattfinden.

Was bleibt nach diesem Wochenende mit wenig Schlaf, glücklichen Besuchern und einem Rekord von 3800 Gästen?

Die Gewissheit, das der Verein Hütte Rockt eine Identität geschaffen hat, die aus der Festivallandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Diesen Status gilt es unbedingt zu erhalten , an den richtigen Stellen das Werkzeug anzusetzen und den Willen zu haben, sich immer weiter zu verbessern.

Sieht man mit welchem Engagement die vielen ehrenamtlichen Helfer am Werk sind, muss man keine Angst haben, das es am Areal am Harderberg noch lange weiter geht.

Chapeau Hütte Rockt und auf die nächsten 10 Jahre!

See You in  the Field…

Text: Thorsten Peistrup

Fotos: Julia Rissling