Huricane 2017 eine Liebe abseits der Hauptbühne

Und da es bei einem Festival dieser Größe schier unmöglich ist, alles anzusehen, was man gerne möchte , sind die nachfolgenden Texte nur ein Bruchteil dessen, was auf den insgesamt 4 Bühnen aufgefahren wurde.

Am Donnerstag ging es los auf der White Stage mit entspanntem Singer Songwriterpop von Antje Schomaker.
Schomaker und ihre Band wussten die etwa 1500 Besucher prima zu unterhalten mit allerlei Liedgut über die Widrigkeiten von Alltag und Beziehungen und wirkten dabei zu keiner Sekunde langweilig oder gar anbiedernd.
Antje Schomaker erzählte immer wieder kleine Anekdoten zwischen ihren Liedern, so daß dem ganzen ein fast intimer Anstrich verliehen wurde.

Danach ein wenig Motorbooty Open Air Disco und dann ab zum Zeltplatz, weil Kräfte schonen und so, für die nächsten drei Tage.

Am Freitag eröffnete das Hurricane Swim Team den Reigen. 2016 im Unwetterchaos geboren, spielte die Band, die hauptsächlich aus Mitgliedern vom Festivalradiosender Camp FM und Lotsen des Festivals bestand ,eine rockige Version der Festivalhymne „Am sichersten seit ihr im Auto“.
Sympathisch und locker, so konnte der Tag beginnen.

Weiter ging es mit Erik Cohen auf der Red Stage, der mit seinen rauen Songs irgendwo zwischen Tomte, Smoke Blow und Hans Albers überzeugte. Eine knackige halbe Stunde lang, inklusive eines interessanten Covers des alten NDW Klassikers „Goldener Reiter“.

Haftbefehl sollte auf der Blue Stage folgen. Wie gesagt sollte. Denn der Offenbacher Gangster schaffte es nicht rechtzeitig zum Eichenring, weil er in einer Polizeikontrolle feststeckte.
Kann man sich nicht ausdenken.
Dafür hatte Hafti den mit Abstand besten Merchandisingartikel am Start.
Badeschlappen, mit den Aufdruck „Brudiletten“. Wirklich , kein Witz.

Anschließend spielte Frank Turner den 2067`ten Auftritt seiner neverending Tour auf der Green Stage. Es ist immer eine wahre Wonne, Mr. Turner beim Musizieren zuzusehen. Ansteckende Spielfreude und eine durch und durch gute Setlist.

Nun sollte das erste von vielen Blue Stage Highlights an diesem Wochenende folgen.
Die deutsch-schweizerische Popband BOY hatte zum gepflegten Konzertieren geladen.
Mit ihrem Set, gespickt mit allen großen Nummern, spielten Valeska Steiner und Sonja Glass einen Traum von einem Auftritt unter glasklarem Sound.
Wer sich angesichts des hypersympathischen Auftretens von Valeska Steiner nicht instant in die Schweizerin verliebt, muss ein Herz aus Stein haben.
Wikipedia verweist beim Stil von BOY gerne auf die Kanadierin Leslie Feist. Das stimmt, wobei man dem Duo zu Gute halten muss, das ihre Musik etwas zugänglicher ist, als der manchmal etwas sperrige Sound von Feist.
Ganz großer Hurricane Moment, viel besser wurde es an diesem Wochenende nicht.

Dann mal ab ins Zelt und der Neuseeländer Xavier Rudd zelebrierte seine Vision von Weltmusik mit einem extra Schuss Wahnsinn.
Digeridoo Soli, die man so nicht sich gesehen hat, überzeugten das Auditorium komplett und ließen das rappelvolle Zelte kollektiv ausrasten.
Dazu ein echt relaxter Xavier Rudd, den man unbedingt im Auge behalten muss.

Der komplette Gegensatz stellte SDP auf der Blue Stage da, die ihre nicht immer niveauvollen Tracks unter die komplett freidrehende Crowd ballerten, das ein es Genuss war.
Zu dem Zeitpunkt genau der richtige Act, um einfach nur Party zu machen und mit „Die Nacht von Freitag auf Montag“, sich genau eben diese Frage zu stellen.
Ekstase pur, Feuer und Rauch und ein Hit nach dem anderen, so geht Entertainment.

Dann stand auch schon der Headliner des Freitags auf der grünen Bühne.
Die Alt Punks von Green Day lieferten eine alles im Allem enttäuschende Show ab.
Zunächst einmal der wirklich grottige Sound vor Teilen der größten Bühne, ein Problem was sich im Laufe des Wochenendes noch wiederholen sollte.
Armstrong und seine Mannen wirkten zudem nicht besonders motiviert und wenn gefühlt  jeder Song von Publikumsinterkationen wie Mitgröhlpassagen und Animationen des Frontmannes begleitet wird, so wird das nicht unterhaltend, sondern eher anstrengend.
So bekommt man halt auch seine zweieinhalb Stunden voll.
Sei es drum, Green Day wurde vom überwiegenden Teil des Publikums frenetisch gefeiert und wenn das der Zweck gewesen ist, dann kann man sagen :“Mission erfüllt“.

Lieber weiter zu Clueso, dem Erfurter Vorzeigemusiker des deutschen Pop.
Und diese Entscheidung sollte nicht bereut werden.
Ein großartiger Auftritt, untermalt von tollen Songs (bei „Chicago“ mit Gloria Sänger Klaas Heufer Umlauf als Gastsänger) und perfekten Visuals, passten wunderbar in diese Nacht.

Zu guter Letzt dann die Imagine Dragons.
Auch hier, glasklarer Sound, eine gut eingespielte Band und große Popsongs.
Ein wenig siegte die  eigene Müdigkeit der Besucher, aber das tat dem tollen Konzert keinen Abbruch.

Das war Tag eins, Und wie schon beschrieben, sollten die Highlights tatsächlich abseits der großen Bühne stattfinden.
Eine Tatsache, die sich an Tag 2 bewahrheiten sollte.
Und wie.
Abe dazu später mehr.

Text: Thorsten Peistrup

Fotos: Britta Flachmeier