Bulletride greifen mit neuem Sänger wieder voll an

Nachdem die Osnabrücker Band Bulletride im letzten Jahr einen Frontmannwechsel hatte, stampft diese nun ein neues Album aus dem Boden und drehte dazu bereits vor der Veröffentlichung gleich zwei Videos. Wir trafen uns am Tag des zweiten Videodrehs mit den Jungs und kamen dabei mit Arne (Drums) und Fabian Mattick (Bass) ins Gespräch.

 

Northside-Magazin: Wie lange arbeitet Ihr bereits an dem neuen Album?

Arne: Mit dem neuen Album angefangen haben wir eigentlich fast direkt, nachdem wir das letzte Mal aus dem Studio kamen, also nach Oblivion. Zu dem Zeitpunkt entstanden schon die ersten Ideen. Richtig Fahrt aufgenommen hat das Ganze gegen Ende des letzten Jahres. Das jüngste Stück ist übrigens erst letzte Woche entstanden. Und zu genau diesem Song drehen wir bereits heute ein Video.

 

Northside-Magazin: Was habt Ihr sonst seit dem neuen Album gemacht?

Fabian: Dadurch, dass sich die Aufnahmen relativ lange hingezogen haben, konnten wir zum einen immer wieder neue Stücke schreiben, zum anderen auch Vieles für die Liveshows vorbereiten. Hierzu gehörte unter anderem auch unsere Bühnenperformance, die Art, wie wir uns live in Szene setzen.

Arne: Das Bühnenbild haben wir komplett neu kreiert: neue Aufsteller, ein neues Backdrop. Zudem haben wir jetzt einen Kooperationspartner, Pyrotech Cologne, weil wir bei gewissen Liveshows auch eine große Pyro-Show mitbringen wollen.

Fabian: Hinzu kamen die Vorbereitungen zu den Videos. Das ist auch immer ein großer Aufwand und  braucht normalerweise viel Vorbereitungszeit. Das alles sind viele Dinge, die vorher gut überlegt sein müssen, auch wenn man spontan sein muss bei manchen Dingen.

Arne: Die ersten zwei von voraussichtlich vier T-Shirt-Designs haben wir jetzt auch fertig. Und natürlich alle Vorbereitungen für die Platte.

 

Northside-Magazin: Gab es nach Max‘ Ausstieg aus der Band den Gedanken, dass es mit der Band vorbei sein könnte?

Fabian: Nein, überhaupt nicht! Natürlich ist es immer so eine Sache, wenn ein Sänger sehr schnell und unerwartet aussteigt. Aber wir haben nicht ansatzweise darüber nachgedacht, dass die Band ohne ihn nicht weiter existieren könnte.

Arne: Wir sind jetzt nicht in ein Loch gefallen. Es war natürlich schon blöd und alles kam sehr abrupt in dem Moment, aber das Studio war schon gebucht. Ursprünglich wollten wir eine EP aufnehmen und hatten dafür die ersten Stücke bereits fertig. Und dann so etwas. Okay, kurzer Nackenschlag – aber dann die Krone richten und weitermachen! Wir wollten gar nicht erst lange warten und eine Pause machen, denn Stillstand ist immer Gift für eine Band. Das ist ganz schlimm! Man braucht nämlich viele kleine Erfolgserlebnisse hintereinander, was dann immer mehr zusammenschweißt. Also haben wir es auch sehr schnell publik gemacht beim Radio Osnabrück, wo wir zufällig einen Termin hatten im Zuge unseres Erfolges bei Local-Heroes. Und dann, innerhalb von zwei Wochen nach Max‘ Ausstieg, hatten wir schon die ersten Kandidaten. Unter anderem eben auch Donovan, für den wir uns entschieden haben.

 

Northside-Magazin: Dann erübrigt sich eigentlich die nächste Frage, nämlich wie Ihr auf Donovan gekommen seid.

Arne: Er hatte mitbekommen, dass wir auf der Suche nach einem neuen Sänger waren. Uns hat dann ein Bekannter angeschrieben, das da jemand sei. Daraufhin haben wir uns mit ihm getroffen. Letztendlich sind Donovan und eine weitere Person in die engere Auswahl gekommen.

Ich muss ganz klar sagen, dass Donovan vom gesanglichen Charakter schon etwas anders ist als Max. Wir haben dies aber als Chance gesehen und uns gedacht „Hey, da ist jetzt jemand, der sogar Musik studiert“. Diese Tatsache war uns sehr wichtig, weil er nicht nur Sänger, sondern auch Multi-Instrumentalist ist. Denn zudem spielt er Klavier und Gitarre. Und das hat uns bei den neuen Stücken voll in die Karten gespielt. So sind wir enger zusammengewachsen, auch aus instrumentaler Sicht. Das gleiche gilt fürs Songwriting allgemein, was vorher nicht ganz so war und früher meistens über mich und Raphael lief. Mittlerweile entsteht sehr viel zusammen. So, wie wir es uns immer gewünscht hatten.

Fabian: Und was wir auch gemerkt haben, ist, dass wir uns beim ersten Treffen mit Donovan sehr schnell einig waren. Wir haben paar Lieder angespielt, auf die er sich schon sehr gut vorbereitet hatte innerhalb kürzester Zeit, und sofort gewusst, dass das funktioniert. Da waren wir uns alle einig. Wir hatten ein sehr gutes Gefühl. Gerade in dieser Situation, als uns gerade noch vor den Kopf gestoßen wurde, wussten wir sofort, dass es geht gleich umso besser weiter nach vorne geht und wir wieder voll angreifen werden.

Arne: Natürlich hatten wir dann viel Zeitdruck. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit alles umswitchen und gucken, ob es Donovans Gesang passt. Zum Glück hatten wir bereits zuvor eine neue musikalische Richtung eingeschlagen und uns stark weiterentwickelt, sodass es einfach passte. Es ging komplett auf. Zeitdruck war zwar da, aber wir haben es wirklich geschafft, innerhalb von sechs Monaten ein komplettes Album aus dem Boden zu stampfen, auf dem Donovans Stimme auch komplett mit dem Rest der Musik harmoniert. Ich denke, es ist uns ganz gut gelungen. 

 

Northside-Magazin: Wie würdet ihr den Stil des Albums beschreiben?

Arne: Oh, das ist immer schwierig. Wir waren mit der ersten Platte noch ziemlich ACDC-lastig. Das hatten wir auf Oblivion etwas weiterentwickelt und haben gemerkt, dass unsere Stärken in den großen tragenden Melodien liegen sowie in großen Emotionen, ähnlich wie bei Queen damals, vielleicht auch ähnlich wie bei Muse heute. Nicht, dass wir jetzt genauso so klingen, aber wir haben Lust auf eine große Rock-Show, in der auch eine Ballade ihren Platz findet. Aber eben auch sehr dynamische Lieder. Es muss einfach stimmig sein. Und ich glaube, gerade das hat in den letzten Jahren auch in der Musiklandschaft ganz oft gefehlt. Dass man einfach sagt „Hey! Diese großen Bands der 80er, solche Bands wie Journey, Queen oder auch vielleicht U2, diese großen Stadion-Rockbands, die gibt es eben nicht mehr“. Wir haben heute noch die Foo Fighters, wir haben Muse, die was ganz eigenes machen, Biffy Clyro, die so ein bisschen nachrücken, und natürlich Coldplay auf der anderen Seite. Aber diese richtig großen Stadion-Rockbands, die gibt es kaum noch. Es sind höchstens noch alte Bands, die momentan entweder wegsterben oder jetzt ihre Renten-Tourneen machen. Und da haben wir uns einfach gedacht, wir haben Bock auf eine große Show. Wir wollen den Zuschauern sehr gerne unterhalten und alles miteinander mischen. Also die Emotionen, die Musik mit großen Bühnenbildern, mit großen Gesten.

Fabian: Man muss aber auch sagen, dass das, was wir auf den ersten beiden Alben gespielt haben, auch sehr viel Spaß gemacht hat. Aber wir haben uns eben weiterentwickelt, gerade musikalisch. Wir machen letztendlich einfach das, was uns Spaß macht. Das hat uns dahin geführt, wo wir uns nun befinden. Ich denke, dass wir mittlerweile, insbesondere mit diesem Album, unsere Musikrichtung endlich gefunden haben. Wir möchten die Musik, die wir vorher gemacht haben, gar nicht missen, denn auch das ist eine Erfahrung und hat uns beeinflusst. Aber wir sind einfach einen großen Schritt weiter als vor ein, zwei Jahren.

 

Northside-Magazin: Ist eine Tour geplant?

Arne: Wir schnüren gerade ein komplettes Paket dafür zusammen. Im Hintergrund läuft sehr vieles. Um das Interesse zu wecken bei Veranstaltern, um sich erfolgreich zu bewerben, braucht man Produktions- und Bookingpartner. Dafür braucht man wiederum Videos, eine Merch-Palette, das ganze Marketing, wie man sich als Band nach außen hin aufstellt. Und genau daran arbeiten wir gerade. Wir wollten eigentlich schon dieses Jahr so richtig durchstarten, aber eine große Tour ist nun erst für das nächste Jahr geplant. In diesem Jahr werden wir bei einigen Festivals spielen und weiter Videos drehen. Und natürlich das Album gebührend in Szene setzen.

Fabian: Das Jahr 2016 ist jetzt die ganz große Vorbereitung für 2017. Natürlich wollen wir Live-Erfahrung sammeln bei den Festivals. Außerdem proben, proben, proben. Und somit alles andere einfach in die richtigen Bahn lenken. Somit haben wir nächstes Jahr auf vielen Konzerten oder sogar auf einer Tour dann alles im Gepäck und müssen uns nicht mit den Arbeiten aufhalten, die wir genau jetzt machen.

Arne: Was wir auch noch geplant haben neben dem klassischen Rock-Set mit den ganzen Showelementen, die wir auf die Bühne bringen, ist natürlich auch das Ganze herunterzubrechen. Das haben wir letztens schon einmal gemacht bei einem Konzert, und zwar unplugged. Vielleicht auch mal etwas Ruhigeres mit Streichern. Wir haben immerhin zwei Pianisten bei uns in der Band, sodass wir auch mal wechseln können. Auf so etwas haben wir natürlich auch Lust.

Fabian: Und gute Songs klingen akustisch auch sehr gut. Das merken wir zunehmend.   

 

Northside-Magazin: Versucht Ihr auch in diesem Jahr wieder bei dem einen oder anderen Contest Euer Können zu beweisen?

Fabian: Das haben wir eigentlich nicht vor. Wir haben 2014 und 2015 einige Contests gespielt. Aber das war, wenn man es genau nimmt, nur ein einziger Contest, bei dem wir mehrere Runden weitergekommen sind, woraus sich dann insgesamt 5 Konzerte ergeben haben. Das hat super viel Spaß gemacht, ist aber eigentlich nicht das, was wir in erster Linie anstreben. Wir wollen eigentlich durch das, was wir produzieren, Veranstalter so überzeugen, dass wir nicht über diesen Weg gehen müssen. Der ist mit Sicherheit eine tolle Sache für Bands, die sich gerade noch in der Aufbauphase befinden. Aber ich denke wir sind weit genug, um das auch ohne weitere Contests hinzubekommen.

Arne: Mit der Teilnahme und dem Erreichen des Finales von Local-Heroes in Niedersachsen haben wir schon etwas geschafft. Da konnten wir uns gut platzieren und haben somit ordentlich Publicity bekommen. Ich denke, das reicht dann einfach. Es gibt zwar viele Contests, aber es ist dann meistens Pay to Play. Dann muss man Tickets absetzen und die Fan Base mobilisieren. Das ist zu langwierig und  lohnt sich nicht wirklich als Band. Wir sind bei Local-Heroes immerhin bis ins Landes-Finale gekommen und das reicht dann auch. Am Ende entscheiden oftmals Kleinigkeiten oder Glück, wobei wir ganz klar sagen müssen, dass der Gewinner, Kyles Tolone, auch aus unserer Sicht absolut verdient weitergekommen ist.

 

Northside-Magazin: Nun zum Video. Wie kamt ihr auf die Idee für die Story?

Arne: Wir haben zwei Videos gedreht. Zum einen das Video für Aurora gestern. Es geht dabei um ein Lied, bei dem es um das Miteinander zwischen Mann und Frau geht. Aurora kann aber auch als Metapher gesehen werden, als Polarstern, der einen leitet. Wir werden dazu auch noch eine Storyline drehen, die jedoch erst noch gedreht werden muss. Und zwar mit einer Schauspielerin, wenn es draußen etwas schöner ist als jetzt. Sie wird dann unsere Aurora verkörpern. Der erste Teil wurde übrigens bei mir zu Hause gedreht. Und heute drehen wir zu Tonight, einem eher ruhigen Stück, bei dem es um große Emotionen geht.

 

Northside-Magazin: Es ist jetzt der zweite Dreh, der bereits im Hyde Park stattfindet. Warum wieder genau diese Location?

Fabian: Erst einmal hat man hier von der Infrastruktur her alles, was man braucht für einen Videodreh. Wir haben ein Dach über den Kopf und sind wetterunabhängig. Dann sind die Möglichkeiten, Licht einzusetzen, einfach genial. Strom ist da, die Möglichkeit, Musik abzuspielen, und vor allen Dingen haben wir auch sehr viel Platz. So kann man das Set, auch wenn man hier mehrmals dreht, komplett anders gestalten und erkennt nicht auf den ersten Blick, dass es derselbe Ort ist.

Arne:  Und ein ganz großer Punkt ist natürlich auch, dass wir mit unserem Gitarristen Dominick einen Veranstaltungstechniker im Hause haben, der die Gegebenheiten hier vor Ort kennt, weil er regelmäßig im Hyde Park gearbeitet hat. Das heißt, wir haben das ganze Equipment, welches wir für den Dreh brauchen, schon hier und müssen nur noch wenig dazu buchen. Das ist ein großer Pluspunkt gewesen. Wir werden für die Zukunft auch andere Locations heraussuchen, aber gerade jetzt, als es darum ging, etwas in der Mitte aufzubauen, wollten wir es noch einmal hier ausprobieren.

Fabian: Der Hyde Park hat sich beim letzten Mal bewährt, denn alles ist super abgelaufen. Daher auch großen Dank an alle Verantwortlichen vom Park, die uns dies ermöglichen. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir hier einfach so hineingehen. Das ist schon eine tolle Sache für uns. 

 

Northside-Magazin: Was können die Fans in Zukunft noch von Bulletride erwarten?

Arne: Ein hammermäßiges neues Album, super Live-Shows und viele Überraschungen. Ich denke mal, dass viele Fans, die uns durch die ersten beiden Platten kennengelernt haben, vielleicht erst einmal überrascht sind. Aber die meisten werden es mögen. Davon abgesehen wird es, wie bereits erwähnt, auch noch einige Videos geben, viel Öffentlichkeitsarbeit, Konzerte und vieles mehr.