„Das soll niemals enden!“ – Konzertbericht zum 1000. Donots Konzert

Vergangenen Samstag war es wieder so weit: die Donots luden zum fünften Grand Münster Slam in die Halle Münsterland ein. Dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde, wusste jeder der 6500 angereisten Fans. 1000 Konzerte auf dem Rücken der Donots und damit 1000 Gründe ausgiebig zu feiern.

Adam Angst legten den Grundstein für einen Abend voller Überraschungen und Emotionen.

Ihre politischen Songs wie „Professoren“ oder „Splitter von Granaten“ fanden bei der Menge großen Anklang und provozierten laute „Nazis raus“-Rufe. Mit „Weißrussland“ und „Wir müssen alle sterben“ feierten zudem zwei neue Songs Premiere und lassen darauf hoffen, dass die Band um Frontmann Felix Schönfuss sehr bald zurückkommt und kritisch auf die Dinge in der Welt aufmerksam macht, vor denen viele die Augen verschließen.

Anschließend betrat Entertainer Olli Schulz allein die große Bühne und sang Songs von Rentnern in der Sauna oder über den Fußball. Mit viel Witz, Charme und einigen Anekdoten hielt er die Masse gekonnt bei Laune und freute sich offen darüber, dass man ihn nicht „wegbuhe“. Spätestens als er „Problem kein Problem“ der Donots coverte, stieg die Vorfreude auf den Hauptact ins Unermessliche. Mittlerweile war eine große Leinwand hinter Schulz gespannt, hinter dem die Vorbereitungen für das größte Donots-Konzert auf Hochtouren liefen. Im Saal wurden Kameras installiert, die den Abend für eine spätere Live-DVD festhalten sollten.

Im Vorfeld des Abends hatten eingefleischte Donots-Fans die Möglichkeit sich selbst in kleinen Steckbriefen vorzustellen, welche nun wie Quartettkarten über die große Leinwand schossen. Weitgereiste, Fans der ersten Stunde, Menschen, die schon ihr 100. Donots Konzert erlebten. Jeder der Anwesenden hatte seine persönliche Donotsgeschichte und bekam eine Gänsehaut als plötzlich alte Fotos und Erinnerungen der Band über die Leinwand huschten. Als dann die ersten Töne des Titels „Ich mach nicht mehr mit“ ertönten und die Band hinter der Leinwand zum Vorschein kam, gab es kein Halten mehr. Das Publikum war voller Energie, es bildeten sich Circle Pits vor der Bühne und es gab unzählige Menschen, die zu Crowdsurfern wurden. Das Unglaubliche daran: dieser Zustand überlebte den ganzen Abend.

Schon bald betraten die ersten Gäste die Bühne. Die Herren der Antilopen Gang ließen ihren Song „Beton“ mit dem „Kaputt“ der Donots verschmelzen. Bemerkenswert: die Künstler wurden auf eine Situation im Publikum aufmerksam, die offensichtlich schwer einzuschätzen war und unterbrachen ihren Auftritt. Allen voran Ingo Donot lag es am Herzen, dass sich jeder im Publikum wohlfühle und sie beruhigt ihre Show fortsetzen könnten.

Und das taten sie dann auch ziemlich imposant.

Im Rücken der Band war ein großes, durchgestrichenes Hakenkreuz gespannt worden und es ertönte „Dann ohne mich“. Ein Bild, welches noch lange im Kopf bleiben wird – unterstützt durch Ingos Ansage gegen Nazis und gegen Trump. Erneute „Nazis raus“-Rufe ertönten. Auch die Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ zeigte große Präsens.

Es ist wichtig, dass es heutzutage Bands wie Adam Angst oder die Donots gibt, die auf den Scheiß in unserer Welt aufmerksam machen und es ist ebenso gut zu sehen, dass es noch genug Menschen gibt, die sie dabei unterstützen. Kein Mensch ist illegal!           

Durch eine vom Publikum gefertigte Gasse bahnten sich Ingo und Guido dann den Weg zu einer zweiten Bühne, welche mitten in der Halle aufgebaut wurde und spielten dabei ihren Klassiker „Hansaring 02.10 Uhr“.

Ganz nah an den Fans rockten sie dann fünf Songs unter denen sowohl ein Ärzte-Cover als auch eines der Toten Hosen war. „Diese Bands sind gute Freunde, die uns auf unserem Weg unterstützt haben und somit Teil dieses besonderen Abends werden sollen“, betonte Ingo.

Der Frontmann ging in gewohnter Manier auf Fankontakt und ließ sich verdientermaßen feiern. Mit dem ein oder anderen Spruch auf den Lippen heizte er viele Situationen an. „Man macht keine Selfies auf Punkkonzerten“, na wo er recht hat. 

Zurück auf der großen Bühne wurde es dunkel im Saal und (Bandschätzungen zufolge) 700.000 Knicklichter erfüllten ihn mit Licht. Recht gleichmäßig in der Menge verteilt, ergaben sie ein Bild, welches schon Grund genug wäre die DVD zu kaufen. Ingo und die Band stoppten in der Mitte ihres Songs „Today“, er zählte an, das hockende Publikum sprang auf und die Lichter flogen kreuz und quer durch die gesamte Halle. Es war einer der magischen Momente, die man einfach nicht in Worte fassen kann und nicht so schnell vergisst!

Doch als „umweltbewusste Westfalen“ forderten die Donots dazu auf die Knicklichter auf die Bühne zu werfen. Diese wurde dann von ihrem Leuchten befreit und für die Zugabe vorbereitet.

Es wurde nochmal richtig laut in der Halle, denn Sammy von den Broilers betrat als zweiter Gast des Abend die Bühne und heizte dem Publikum bei „Problem kein Problem“ ordentlich ein. Doch auch der nächste und letzte Gast ließ nicht lange auf sich warten. Den letzten Song dieser fantastischen Nacht stellt „So long“ unterstützt durch die atemberaubende Stimme des Ex-Jupiter Jones Frontmanns Nicholas Müller, der nun mit seiner Band Von Brücken erfolgreich ist. Die Songzeilen entsprangen den Lippen des Publikums in einer Lautstärke, die sich mit keinem musikalischen Fachbegriff dieser Erde definieren lässt. Die Band wirkte bereits in vielen Situationen des Abends überwältigt und jetzt machte sich auch große Dankbarkeit in ihren Gesichtern breit. Es folgt ein Grande Finale mit Funkenregen und minutenlangem Jubel wie aus dem Bilderbuch.

Liebe Donots, das war ganz großes Kino. Ihr habt euch diesen Abend mehr als verdient und ihn unvergesslich werden lassen. Ihr habt gezeigt, dass nach 1000 Konzerten lang noch nicht Schluss sein muss und ihr und auch eure Fans für weitere 1000 bereit seid. Ihr geht einen verdammt guten Weg und tut das Richtige.

Das soll niemals enden.

 

Text: Carolin Holthaus

Fotos: Julia Rissling