„Mein Herz bleibt hier“ – so war das 12. Hütte Rockt Festival 2018

Das Hütte Rockt fühlt sich anders an als andere Festivals. Warum? Ganz leicht. Hier ist man zuhause. Es ist das erste Festival auf dem ich jemals war, es ist in meiner Heimatstadt, es ist verdammt sympathisch und man merkt, dass große Leidenschaft im Orga-Team steckt.

Ein ziemlich großer Teil der Besucher ist schon seit der Geburtsstunde des Festivals dabei und hat schon vieles mitgemacht. Das Hütte Rockt kann eine lange, spannende Geschichte erzählen.

Ein großes Potpourri aus allen Musikgenres hat im Rahmen der 12. Ausgabe die Bielefelder Straße beschallt. Rap, Hip Hop, Ska, Punk, Pop, Indierock, Heavy Metal Musikliebhaber kamen an diesem Wochenende vollkommen auf ihre Kosten und Hütte zeigt, dass hier nicht nur gerockt werden muss.

 

Hütte Rockt am Freitag, 17.08.2018

Aber von vorn:

Bereits am Donnerstag war der Campingplatz gut gefüllt und trotz des typischen Festivalwetters (oder vielleicht grade deswegen?) herrschte eine super Stimmung in freudiger Erwartung auf das, was passieren würde. Und plötzlich war der Sommer zurück. Die Campingpatzbesucher verwandelten den eher unscheinbaren Platz in eine große Feiermeile, in allen Ecken wurde getrichtert, Bierpong gespielt oder sogar über eine gigantische Wasserplane gerutscht.

Mit lauten Boxen wurde sich zudem auf das erste Highlight des Freitags eingestimmt:

B-Tight, 38 Jahre, Rapper aus Berlin. Moment. Rapper aus Berlin? Kann das gut gehen? Ja, es kann. Nach zwölf Jahren dröhnten zum ersten Mal in der Geschichte des Hütte Rockt laute Beats und Sprachgesang aus den Boxen der Hauptbühne und es hat funktioniert. Nicht nur, weil B-Tight und seine Entourage fleißig Jägermeister verteilten, sondern weil sie auch verdammt sympathisch waren. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht ganz wusste was mich während einer B-Tight-Show erwartet, aber es hat mir gefallen. Ab und zu einen Arm in die Luft werfen und die Hüfte kreisen lassen, hat nicht nur mir sondern auch einigen eingeschweißten Rockern Spaß gemacht.

Bereits im Vorfeld des B-Tight Auftritts gab’s im Zelt einen Hip Hop Exkurs mit dem Osnabrücker Rapper Jolle, welcher später vom „Rock in der Region“- Gewinner Duo From Willows abgelöst wurde. Diese Jungs haben die Richtung für den weiteren Verlauf des Abends angegeben und rissen das Zelt mit einer eindrucksvollen Performance ab. Als ich noch draußen stand, wäre ich jede Wette eingegangen, dass die Band aus mindestens vier Personen besteht. Aber nein, bei der Power, die die Beiden an den Tag legen, reichen eine Gitarre und ein Schlagzeug komplett aus. Chapeau!

Dann wurde es endlich zum ersten Mal punkig auf der Hauptbühne. Stagetime für Dritte Wahl aus Rostock. Wer aus dieser Menge nicht schweißgebadet und heiser heraustrat, hat definitiv etwas falsch gemacht. Songs zum Mitschunkeln, die aber auch vor Gesellschaftskritik nicht Halt machen heizten dem Publikum ordentlch ein und hallten auch noch Minuten nach dem Konzert über den Harderberg.

Die Umbauphase habe ich genutzt, um mir im Zelt das Poprock-Trio Lässing anzuhören und mich seelisch auf den Auftritt von Betontod vorzubereiten. Ich wusste, dass es laut wird und ich wurde nicht enttäuscht. Diese Band existiert schon länger auf dieser Welt als ich und das spürt man. Sie verfügt über eine unglaublich starke Bühnenpräsenz und weiß die Bühne als Sprachrohr für ihre Gedanken und Meinung geschickt zu nutzen. Das Publikum mit einzubinden war für diese Herren ein Leichtes. Egal, ob dank bunten Ballons, einer Eigenversion von Wolle Petrys „Wahnsinn“oder eingängigen Gitarrenriffs, dürfte wohl jeder ganz individuell auf seinen Geschmack gekommen sein.

Für mich endete der erste Hütte Rockt Abend mit einem Ausflug in die 50er- Jahre und Boppin‘ B, welche mit Rock’n’Roll-Flair einen angenehmen Kontrast zur vorher im Zelt gesehenen Doom-Metal Band Iron Walrus bot.

 

Hütte Rockt am Samstag, 18.08.2018

Der Samstagmorgen begann für mich leider etwas chaotisch und ich machte dem Klischee „rasender Reporter“ alle Ehre – ich habe verschlafen. Doch als ich im Auto Richtung Hütte saß und aus den kleinen Boxen der erste Madsen Song des Tages ertönte, stieg meine Vorfreude ins Unermessliche. Im letzten Jahr habe ich diese wunderbare Band zum ersten Mal live gesehen und werde seitdem nicht müde davon zu berichten.

Als ich auf den Platz gestürmt kam, traute ich meinen Augen kaum. Es war rappelvoll, also wirklich rappelvoll. Mein Blick schwenkte Richtung Bühne und dort fand ich die Erklärung. Die Hi!-Spencer Jungs waren zu Gast. Und das muss man derzeit wirklich so sagen, denn sie sind zu einer vielbeschäftigten Band geworden und spielen aktuell überall in Deutschland. Absolut zurecht, denn wenn man jedem Einzelnen während einer Show mal ins Gesicht schaut, dann stehen dort Sachen wie Leidenschaft, Motivation, Liebe zur Musik und ganz, ganz, ganz viel Spaß und Sympathie in den Augen und auf der Bühne. Macht weiter so, Jungs. Ihr habt die Hütte Rockt Bühne in „Trümmer“ gelegt. Auch wenn die Uhrzeit eher undankbar war.

Ziemlich klug eigentlich vom Hütte Rockt, denn der Platz war schon in aller Herrgottsfrühe erstaunlich gut gefüllt. Tja, und wenn man schon mal da ist, dann schaut man sich doch auch den Rest an. Der Timetable für Samstag hielt als Nächstes Alles von Ed bereit, mit denen ich mich im Vorfeld absolut nicht beschäftigt habe, es aber nach diesem Wochenende nachträglich tun werde. Gut waren die.

Dass dieses Jahr experimentelles Booking betrieben wurde, stellte sich danach mit Schöne Frau mit Geld auf der Hauptbühne erneut unter Beweis. Die vierköpfige Band aus Osnabrück trat als Coverband der 80er Jahre Deutschrockgruppe Ideal auf.

Und dann wurde endlich mal so richtig wild im roten Konfettiregen getanzt. Ermöglicht wurde das Ganze von The Prosecution, einer Ska-Band aus Regensburg. Bei strahlendem Sonnenschein und kalten Getränken, konnte hier so richtig das Tanzbein geschwungen werden.

Ich habe im Anschluss eine kleine Pause eingelegt, Essen und Trinken ist auf einem solchen Festival ja nicht ganz unwichtig. Nicht nur im Backstage bekam man ein vielfältiges gastronomisches Angebot geboten, sondern auch auf dem Platz wurde man fürstlich versorgt. Pizzabuden, Currywurst und Pommes, asiatische Nudelgerichte, es war eine richtige Fressmeile aufgebaut. Daran angeschlossen gab es auch einen Cocktailstand, der sich so großer Beliebtheit erfreute, dass bereits am frühen Abend der Gin-Tonic aus war. Traurige Geschichte am Rande.

Für weniger traurige Geschichten sorgte das Moderations-Duo bestehend aus Evil Jared Hasselhoff und Dr. Dr. Dräse. Ich vermute mal da haben sich zwei Freunde fürs Leben gefunden.Kurz bevor dann H-Blockxx Frontmann Henning Wehland die Bühne betrat, konnte der ein oder andere Zeuge einer Verlobung werden. Ein schöner Moment, welcher bei den sanften Klängen und Texten Wehlands sicherlich gebührend gefeiert werden konnte. Leider habe ich Wehlands Auftritt als sehr durchgeplant und routiniert wahrgenommen. Natürlich ist er ein sehr professioneller Musiker, aber mir hat die persönliche Note gefehlt.

In meinen Gedanken konnte ich mich im Anschluss lediglich nur noch mit den Madsen beschäftigen. Der Wunsch nach einem gemeinsamen, typischen Fanbild wurde immer größer, aber ich hatte leider keine Chance den Herren zu begegnen. Dachte ich…

Mittlerweile war es dunkel geworden und lautes Sirenengeheul schallte über den Platz. Der Headliner Madsen betrat die Bühne und legte direkt mal laut los. Ich war kaum zu halten und damit definitiv nicht allein.

Dann passierte es: Nach einer Weile kam ein Freund von mir auf die Idee sich das Ganze doch mal von auf der Bühne aus anzusehen. Das taten wir dann auch und ich konnte mein Glück kaum fassen. Einige meiner Freunde haben mich dann aus dem Publikum erspähen können und laut meinen Namen gerufen. So intensiv, dass die Band mich während ihres Songs „so cool bist du nicht“ auf die Bühne bat und mir ein Solo spielte. Und ich? Ich fand das unglaublich cool. Auch wenn die Situation ungefähr vergleichbar war mit, wenn früher in der Schulklasse „Happy Birthday“ gesungen wurde und man aus lauter Verlegenheit nicht wusste wo man hinsehen soll. So oder so, vielen lieben Dank liebe Madsen für diesen unvergesslichen Moment. Ich bin noch ein viel größerer Fan geworden und kann nicht mehr objektiv über euch urteilen.

Als letzte „Zeltband“ betraten dann Weckörhead, eine Motörhead Coverband, die Bühne und sorgten insbesondere beim älteren Hütte Rockt Publikum für Stimmung.

Für das Sahnehäubchen und einen wirklich sehr gelungenen Abschluss des Abends waren dann Montreal aus Hamburg verantwortlich. Nicht zuletzt wegen ihres „Osnabrück“ Songs und einem Mix aus Ohrwürmern und der unglaublichen Kraft die Menge um Mitternacht noch ein letztes Mal zum Kochen zu bringen.

Vollkommen erledigt, glücklich und auf der Suche nach einem kalten Bier schlenderte ich über den Platz und war ziemlich zufrieden mit diesem Festival. Und ein bisschen stolz darauf, dass sich diese Idee in meiner Heimatstadt etabliert hat und nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken ist. Dann wurden meine Gedanken von folgendem Satz unterbrochen: „Och, guck mal. Das ist doch die Glückliche, die grade eben auf der Bühne war.“, höre ich. Ich grinse. Stimmt und das ist ’ne Geschichte, die ich in meinem Leben sicher noch ein paar Mal erzähle. Natürlich vergesse ich dabei nicht warum ich dieses Glück hatte: Danke, Northside!

Danke Hütte Rockt.

Um die Madsen zu zitieren: „Mein Herz bleibt hier“

20.08.2018

Text: Caro Holthaus

Fotos: Julia Rissling