Udo Lindenberg – 25. Mai 2017 – ÖVB-Arena Bremen – ca. 12.000 Zuschauer

Über 25.000 Zuschauer an zwei Abenden können nicht irren. Nach 20 Jahren tritt ihr Udo mal wieder in Bremen auf und zeigt die ganz große Show. Wegen erhöhtem Verkehrsaufkommen und den verschärften Sicherheitsvorkehrungen verzögert sich der Beginn. Nach dem Anschlag von Manchester hat wirklich jeder vollstes Verständnis. Zehn Minuten später als geplant, schwebt der Hutträger in die Arena ein. Ansonsten läuft alles nach Plan. Der Wahl-Hamburger weiß sich zu verkaufen, aber nicht nur das, auch seinen Mitstreitern ist er überaus dankbar. Die Treue seines Panikorchesters wird durch sehr viel Raum auf der Bühne belohnt. Jeder bekommt sein Solo und seinen persönlichen Auftritt. Nichts wirkt gekünstelt, allerdings auch durchgeplant. Wirft er sich auf die Knie liegt dort ein Kissen, das danach schnell wieder verschwindet.

Eine besondere Rolle spielen die Frauen in seiner Truppe. Seine Fotografin und „Komplizin“ steht ihm im Graben zur Seite und auch auf der Bühne haben die zahlreichen Frauen zentrale Aufgaben. Mit Gast Josephin Busch singt mehrere Duette und auch seine Backgroundsängerinnen sind mehr als das, ihr Einsatz helfen dem 71-jährigen über die zweieinhalb Stunden. Sie ziehen in sexy Outfits die Blicke auf sich und gönnen ihm so die ein oder andere Verschnaufpause. Und sie werden spektakulär in Szene gesetzt: zu „Gerhard Gösebrecht“ schwebt ein Ufo von der Decke und neben dem Namensgeber steigen zwei Alienfrauen aus dem Raumschiff. Bei „Cello“ wird eine Turnerin in einem leuchtendem Riesencello eingeflogen, bekleidet in einem Glitzernichts. Ob bei dem Song auch nur ein Mann auf den Gastsänger Johannes Oerding geachtet hat? Zumal noch fünf Cellistinnen auf einem Podest über der Bühne thronten.

Die Show ist perfekt inszeniert. Licht und Leinwand sind auf jedes Lied abgestimmt. Bis zu 30 Künstler auf der Bühne, immer in passenden Kostümen. Auch Udos Ansagen passen. Die Botschaft ist ihm wichtig: „Wir brauchen keinen Führer“ und „Wozu sind denn Kriege da?“ sind zentral platziert und verfehlen ihre Wirkung beim Publikum nicht. Die ganz große Euphorie kommt allerdings nicht auf. Das mag vielleicht daran liegen, dass der Altersschnitt die Vierzigergrenze klar überschritten hat, an Udo und seiner Truppe lag es jedenfalls nicht. Außerdem ist er sowieso zu Höherem berufen. Am Ende steigt er in eine Rakete und fliegt davon – Feuerwerk – offene Münder – vorbei!

Diesen Mann muss man erlebt haben! Nutzt die Chance, viel zu viele seiner Kollegen treten nur noch im Musikerhimmel auf. Hoffen wir dieses Unikat bleibt uns noch lange erhalten.

Text: Guido Kleinmeyer

Fotos: André Havergo