Rea Garvey beim Schlossgarten-Open Air am 5.8.2016

Ich bin weiblich und war beim Auftritt vom Rea Garvey. Da kann ein Bericht nur positiv ausfallen, oder? Dass der 43-jährige Ire ein Frauenschwarm ist, ist wohl wahr, aber nicht der einzige Grund für diesen gelungenen Abend.

Es fängt damit an, dass der sparsame Sommer 2016 ein Einsehen hat und an diesem Abend keinen Regen schickt. Als Rea Garvey um 21:30 Uhr die Bühne betritt, ist der Himmel sogar fast wolkenlos. Zuvor hatten schon Walking On Cars, Max Giesinger und Mark Forster für gute Stimmung gesorgt. Auch Rea Garvey zeigt sich nun bester Laune, nach den ersten zwei Liedern sagt er, dass er sich erstmal von seinen vielen Problemen erholen müsse. Von denen habe er allerdings erst über Facebook erfahren. „Aber seit ich mein Handy geschrottet habe, geht es mir super!“ Er strahlt Optimismus aus, ist der Meinung, die Welt sei schön, und man solle sich durch Schreckensmeldungen in den Medien nicht davon abhalten lassen, das Leben zu genießen.

Das Bühnenbild besteht aus unzähligen bunten Bändern, die vom Boden zur Decke gespannt sind und sich ganz vielfältig beleuchten lassen. Fast könnte man meinen, jemand hätte die Kulisse für eine Goa-Party aufgebaut. Man fühlt sich erinnert an das aktuelle Albumcover.

Die Setlist enthält viele Lieder aus dem letzten Album „Prisma“. Mit Songs wie „Armour“, „Fire“, „War“ und „Run For The Border“ heizt Rea Garvey dem Publikum ordentlich ein. Die Ballade „I’m All About You“ widmet er seiner Frau. Natürlich dürfen auch Hits der beiden früheren Alben, „Can’t Stand The Silence“ und „Pride“ nicht fehlen. Bei „You Colour Me In“ springt der Funke endgültig über, die Songs „Can’t Say No“, „Oh My Love“, „Wild Love“ und „Love Someone“ bringen die Fans in Bewegung. Auch der Sound lässt keine Wünsche offen, es wird getanzt und geklatscht.

Rea Garveys Texte und Melodien sind eingängig und prägen sich schnell ein. Das Publikum, eine Mischung aus jungen und auch vielen älteren Jahrgängen, singt begeistert mit. Der Sänger selbst genießt das Konzert ebenso, animiert zum Mitklatschen und hat großen Spaß am Musizieren. Er unterhält seine Zuhörer, erzählt von seiner Familie und seinen Kenntnissen über Osnabrück – dass er beispielsweise die Ortsbezeichnung „Brücke über die Hase“ seltsam fand und ihm erst einiges klarer wurde, als er erfuhr, dass mit „Hase“ kein Tier, sondern ein Fluss gemeint ist. Immer wieder bedankt Rea Garvey sich bei seinen Zuhörern, bei allen, die seine CDs kaufen, bei seiner Crew und dem Organisationsteam des Open Airs. Er erinnert sich an seine Ankunft in Deutschland vor 17 Jahren und seinen Erfolg seitdem, erst mit der Band Reamonn, dann alleine. Darauf folgt „Supergirl“, der größte Hit von „Reamonn“.

Ein weiterer Höhepunkt kündigt sich an, als der Sänger meint, dass er Sachen erst recht tue, wenn man ihm sage, er solle sie lieber sein lassen. Aus aktuellen Sicherheitsgründen hatte man ihm davon abgeraten, in das Publikum zu gehen, aber Rea Garvey schert sich nicht darum und steigt von der Bühne. Ganz entspannt läuft er zwischen den 12.000 Fans herum, macht hier und da ein Selfie, umarmt jemanden und schüttelt Hände. Sein Ziel ist die Rollstuhltribüne, wo er unter großem Applaus die dort Anwesenden persönlich begrüßt. Auf dem Rückweg durch die Menge verschwindet er zeitweise von den Videoleinwänden, als er wohlbehalten wieder auf der Bühne steht, erzählt er, er habe sich kurz verlaufen. „Das ist mir noch nie passiert!“

Nach drei Zugaben ist das Konzert zu Ende. Zum Schluss bedankt Rea Garvey sich nicht nochmal – „Ihr glaubt mir das sonst nicht mehr…“ Gut gelaunt kündigt er an, im Anschluss noch ein bisschen zu feiern:“Ich zeige gleich mal Mark Forster, wie Trinken geht.“ Seinem Publikum gibt er mit auf den Weg, auch in schwierigen Situationen niemals die Hoffnung aufzugeben.

Das war gute Musik in farbenfroher Kulisse bei Sommerwetter, eine Band mit Spaß an der Musik und einem Frontmann mit uneingeschränkt positiver Ausstrahlung – was will man mehr? Ein Abend mit Rea Garvey ist ein gelungener Abend!

Text Nicole Kleimeyer

Fotos: Jan Rüter