Tanz für Toleranz

18.12.2015 Hagen – Gaststätte Stock

4 Bands und 150 Besucher gemeinsam gegen Intoleranz

Mal was tun, was organisieren , das vielzitierte Zeichen setzen. So oder ähnlich hat sicher schon mal jeder gedacht, um dieser braunen Pest, die derzeit durch unsere Lande weht, entschieden entgegen zu treten.
Der 19 jährigen Caro Holthaus reiche aber das bloße Nachdenken und Dagegen sein nicht aus und so organisierte sie quasi im Alleingang die Benefizveranstaltung im Saal der altehrwürdigen Hagener Kneipe.
4 Bands hatten zugesagt und wir vom Northside Magazin haben natürlich gerne das Ganze mit Moderationen und Fotos unterstützt.
Los ging es gegen 20:30 mit Fenster auf Kipp, die 2014 Rock in der Region gewannen und mit ihrem ernegetischen Auftritt bewiesen, das deutsche Musik druckvoll und textlich unpeinlich daher kommen kann.
Die nachfolgenden Basement Apps spielten ein sehr straightes Set, das vor allem Freunde des gepflegten klassischen Rock`n Roll zu Gute kam.
Die Jungs verspürten wahre Spielfreude und es immer wider erstaunlich, wie solch junge Burschen Musik spielen, die so gar nicht aus ihrem Alter zu stammen scheint.
Aber das Musik Brücken baut und Menschen verbindet, ist eine Weisheit, die so banal wie war ist.
Razzmatazz bildeten als dritte Band es Abends einen sehr coolen Kontrast, den nun war Funk, Funk und nochmals Funk angesagt. Irgendwo zwischen Madness, Living Colour und Seeed angesiedelt brachte die Band den mittlerweile gut gefüllten Saal zum Arschwackeln und Tanzen.
Der Boden war also gesät und das Heimspiel für Hagen´s Lokalmatadoren Hi!Spencer war genau das.
Eine zu den Konzerten in der Vergangenheit leicht veränderte Setlist (die Anti Spießer Hymne Herr Schlüter als Opener), 5 wie immer bestens aufgelegte Musiker und in Sven Bensmann ein Geburtstagskind, der wie immer bestens bei Stimme war, brachten die Raumtemperatur nochmal ein paar Grad in die Höhe.
Ein gelungener Abschluss eines Abends, bei dem ich immer wieder an ein Lied des Liedermachers Konstantin Wecker denken muss, das schon ein paar Jahre alt ist, aber gerade in diesen Zeiten nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Das Lied heißt „Sage Meine“ und beginnt mit folgenden Zeilen:

„Wenn sie jetzt ganz unverhohlen wieder Nazilieder johlen,
über Judenwitze machen, über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen saufend ihrer Dummheit fröhnen,
denn am Deutschen hinterm Tresen muss nun mal die Welt genesen.
Dann steh auf und misch dich ein :
SAGE NEIN !“

Und viele Menschen haben „NEIN“ gesagt an diesem Abend und das macht wirklich Mut.

Es soll an dieser Stelle auch dem Team der Gaststätte Stock gedankt werden und allen Musikern des Abends, die ihrer Dienste unentgeltlich für die gute Sache zu Verfügung gestellt haben.
Aber der größte Blumenstrauß muss an Caro Holthaus gehen, die mit ihrem Engagement für diese Sache ein leuchtendes Vorbild ist und eindrucksvoll bewiesen hat, das die „Jugend von heute“ alles andere als lethargisch und verdrossen ist.

tanz

Folgen wir ihrem Beispiel, machen wir uns stark gegen Intoleranz und heißen wir auch in diesen und grade in diesen Zeiten Menschen willkommen, die vor Hunger und Leid fliehen, um mit unserer Hilfe ein besseres Leben zu erlangen.

Zeigen wir braunen Hetzern wie der AFD und Pegida die rote Karte und beide Mittelfinger.

Aber solchen geistigen Tiefflieger kommen ja leider nicht zu solchen Veranstaltungen wie dieser. Sonst hätten sie gesehen, welchen Spaß die circa 15 Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien gehabt haben, die auf Einladung einer Osnabrücker Organisation vor Ort fahren.

Aber diese rechten Amöben hätten die Freude eh nicht verstanden, die diese Menschen gehabt haben. Freude darüber, das der Einsatz einer einzelnen Holzhausenerin ihnen für ein paar Stunden eine wenig die Schwere aus ihrem Alltag genommen hat.

Text: Thorsten Peistrup, Fotos Julia Rissling