Flogging Molly im ausverkauften Hyde Park Osnabrück

Irischer Musik wohnt seit jeher etwas Melancholisches inne. Sei es durch die Instrumentierung mit Akkordeon, Geige und dem klassischen Bandsetup oder eben durch Texte die immer wieder vom Aufstehen, vom Aufbruch und auch dem Wiederhinfallen künden. Die irisch-amerikanische Folkpunkband hatte zum unteren Konzertieren in den altehrwürdigen Hyde Park geladen und die alte Rumpelbude(2016 feiert der „Park“vierzigjähriges und ist nebenbei die älteste Inhaber geführte Diskothek Deutschlands) war bis zum Bersten gefüllt. Überhaupt war das, subtrahiert man einmal die Festivalshows in diesem Jahr, das 2 von lediglich 2deutschen Headlinerkonzerten in diesem Jahr. Rieb man sich eingangs noch leicht verwundert die Augen, warum die alte Overbecksche Kaschemme ausgerechnet dafür ausgesucht worden war, so wurde im Laufe ihres knapp zwei stündigen Sets immer mehr klar, dass man hier genau richtig und vor allem geschmackssicher gewählt hatte.

Al Sinestra eröffneten den Abend und wer immer diese furchtbare Kapelle ausgesucht hat, war entweder betrunken oder hatte einen sehr kruden Sinn für Humor. Talentfreies Gebrülle, deutsche Texte und ein Sound der die Massen zur Theke respektive zur „Zigarette davor“ nach draußen trieb, hinterließen einen Eindruck, der schwer in Worte zu fassen ist. Atonales Rumgeballer und kaum verständlicher Vocals erinnerten mehr an einen akustischen Verkehrsunfall, als an Musik.

Das alles war vergessen, als Dave King und die seinen die Bühne enterten. Stilecht mit einem Guiness in der Hand begrüßte der ergraute Herr das bereits ordentlich auf Betriebstemperatur getrunkene Publikum. „Life is Good“, so der Titel des aktuellen Albums, erwies sich als Mantra, das sich durch den kompletten Abend zog. An dritter Stelle im Set servierte man der Masse sogleich „Drunken Lullabies“und wer bisher noch ruhig in der Gegend rumstand (also so circa 5 Leute), drehte nun endgültig amRad. Dieser Song verwandelte den Hyde Park in einen absoluten Hexenkessel und etliche Bierbecher flogen durch die Gegend. (Warum man so etwas kostbares nicht lieber trinkt, aber lassen wir das). Eingangs erwähnte Melancholie zog sich dann durch Nummern wie „If i ever leave this world alive“, das ebenfalls bierselig mitgegrölt wurde.

Fast zwei Stunden Schweiß, Bier, Tanzen, Mitgrölen und sich in den Armen liegen fanden viel zu schnell ihr Ende. Mit dem Monty Python Rausschmeißer„Always Look on the bright side of Life“ fand ein Konzert den Abschluss, wie es der Park lange nicht sah. Was bleibt am Ende? Vielleicht die Tatsache, dass die Musik, Freunde und Bier nicht persönliche Probleme lösen. Aber sie können für zwei Stunden der beste Schutzwall gegen die Scheiße sein, die einem jeden Tag zugemutet wird. Und wenn es eine Band wie an diesem Abend eben Flogging Molly schafft, das fast 1800 Menschen, eine gute Zeit haben, ist es das größte Kompliment, was man einem Künstler machen kann.

Life is Good? – Indeed….

von Jan Rüter